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“Wild-West” bei den Quarter Horses: Zuchtleiterin des jüngsten FN-Mitgliedszuchtvereins will nicht mehr

Im 11. Jahr Zuchtleitung hat Gesa Meier-Bidmon nach Mobbing einiger Hengsthalter/Züchter mit Rücktritt reagiert

Es reicht, nach massiven Mobbingattacken kündigte gestern Zuchtleiterin Gesa Meier-Bidmon (r.), daneben ihr Ehemann Thomas, der schon vor einigen Tagen seinen Job als Assistent der Zuchtleitung niederlegte.
Foto: Raimund Hesse

Sparwiesen/Baden-Württemberg. Auch wenn heute der 1. April ist, war die Meldung bzw. Stellungnahme des Quarter Horse-Vorstands kein Scherz im volkstümlichen Sinne: "Herzlichen Glückwunsch! An alle, die durch Polemik, Vorurteile, unüberlegte Kritik und wohl auch Wichtigtuerei diese Kündigung 'erzwungen' haben. Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommst du geschenkt!, sagt ein Sprichwort. Das trifft hier wohl ganz besonders zu."

Zum Hintergrund: Zur anstehenden Jahreshauptversammlung der Deutschen Quarter Horse Association e.V. (DQHA) Ende April wurden diverse Anträge eingereicht. Unter anderem drei Anträge, mit fast gleichen Inhalten, der Mitglieder Hardy Oelke, Wolfgang Fischer und Jörg Junkert: "Der Zuchtleiter ist nur beratend tätig. Stimmberechtigt ist er nur als Angehöriger einer Eintragungskommission. Er muss neutral sein und darf nicht selbst aktiver Züchter sein, insbesondere darf er selbst kein zuchtaktiver Hengsthalter sein bzw. einen Zuchthengst promoten. Die Mitglieder des Zuchtausschusses müssen untereinander unabhängig sein; das bedeutet auch, dass jeweils nur ein Familienangehöriger bzw. ein Mitglied einer Lebensgemeinschaft im Zuchtausschuss vertreten sein dürfen."

Schon seit einiger Zeit ist es in der Quarter Horse-Szene am gären. Man vermutet, dass es in erster Linie um verletzte Eitelkeiten geht, insbesondere bei einem Hengstbesitzer, dem das Urteil der Körkommission - "Nicht gekört" - nicht geschmeckt hatte. In wie weit ein Zusammenhang zwischen dem besagten Hengsthalter und den drei Antragstellern besteht, liegt zunächst im Reich der Phantasien.  

Die Noch-Zuchtleiterin Gesa Meier-Bidmon übernahm am 1. Januar 1998 den Bereich Zuchtleitung, nachdem mit dem Vorgänger, Dr. Uwe Rathke, der auslaufende Vertrag zum Jahresende 1997 nicht verlängert wurde. Auch Rathke wurde seinerzeit mehr oder weniger gemobbt, eine damalige Bürokraft des Quarter Horse-Verbandes hatte daran einen nicht unerheblichen Anteil. Ohne Rücksprache wurde im Sommer 1997 eine Stellenausschreibung gestartet, von der Rathke kalt erwischt wurde. Rathke hatte an der seinerzeit staatlichen Anerkennung als Pferdezuchtverband entscheidend mitgewirkt.

"Es war ein Tropfen zu viel ..."

Der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass namens aktuelle Zuchtleitung zum Überlaufen brachte, waren nicht nur die öffentlichen Anfeindungen, es waren mehr die Szene-internen Grabenkämpfe. Auch deshalb, weil immer noch viele Züchter und Hengstbesitzer den Sinn eines staatlichen Zuchtverbandes in Frage stellen - nach dem amerikanischen Motto: der Markt wird es schon regeln. Wie der Markt es im gelobten Mutterland der Westernreiter regelt, geistert derzeit aktuell durch die Medien, Stichwort amerikanische Autoindustrie.

Meier-Bidmon, die in den elf Jahren ihrer Amtszeit viele sinnvolle Elemente eines funktionierenden Pferdezuchtverbandes auf den Weg gebracht hatte, wurde unter anderem vorgeworfen, dass sie in der Auswahl der Mitglieder des Zuchtausschusses dirigistisch war, dass ihr Ehemann, Thomas Bidmon, als Assistent der Zuchtleitung berufen wurde, und dass es vermutliche "politische" Entscheidungen auf Fohlen- und Stutenschauen gegeben haben soll. Nur die Beweise wurden bis heute nicht erbracht. Dass solche zermürbenden Attacken für eine vernünftige Arbeit nicht förderlich sind, muss nicht sonderlich erwähnt werden.

Magere Bezahlung: "Bedeutend weniger als andere Zuchtleiter ..."

Fakt ist, dass die Noch-Zuchtleiterin gemeinsam mit ihrem Mann einen Zuchtbetrieb mit zwei gekörten Hengsten und 14 Zuchtstuten der Rasse Quarter Horses unterhält, mit insgesamt 55 Pferden, einschließlich Verkaufspferde. Eine angeschlossene Tierarztpraxis ergänzt den Arbeitsrahmen außerhalb ihrer Verbandstätigkeit.

Fakt ist auch, dass die Bezahlung der Position Zuchtleiterin nicht gerade üppig ausfällt, deutlich weniger als ihre Kollegen bei den Warmblutzuchtverbänden, die teilweise beamtet bei den jeweiligen Landwirtschaftskammern sind und dementsprechend auch Anspruch auf Pension haben, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall eingeschlossen.

Davon und von weiteren Vorteilen, wie Spesen und Dienstauto, ist Gesa Meier-Bidmon meilenweit entfernt. Ihr Vorgänger Rathke übrigens auch. In der Regel stehen die Zuchtleiter der Warmblutpferdeverbände im Rang eines Landwirtschaftsdirektors, hier liegt das Grundgehalt in der Besoldungsgruppe A 14 und der Stufe 12 bei 4.472,60 Euro, dazu eventuelle Stellenzulagen.

Wer wird Nachfolger - mit entsprechender Kompetenz?

Ehemann Thomas Bidmon ist besonders sauer: "Dass es Neider gab, war schon klar, aber meine Frau hat sich als Zuchtleiterin nichts vorzuwerfen. Insbesondere der manchmal bis in die Nacht dauernde Telefondienst, um nur ein Beispiel zu nennen, war eine Leistung, die nicht extra bezahlt wurde. Zudem ist meine Frau nicht nur dem Verband gegenüber verantwortlich, sondern auch dem zuständigen Landwirtschaftsministerium, im Rahmen des jährlichen Geschäftsberichtes."

Bidmon kündigte fristlos seine ehrenamtliche Zusammenarbeit bereits in der letzten Woche, die Kündigung seiner Frau erfolgte am 31. März, der letzte Arbeitstag wird der 30. September sein: "Meine Frau wird das Zuchtbuch und die dazu gehörenden Unterlagen ordentlich an den/die Nachfolger/in übergeben, das versteht sich von selbst."

Bereits jetzt wird in Quarter Horse-Kreisen um die Nachfolge spekuliert. Ein geheimer Wunschkandidat ist Dr. Matthias Gräber, praktizierender Tierarzt aus dem schwäbischen Weinheim, - auch ein Hengstbesitzer. Gräbers Beliebtheitspegel ist unterschiedlich. Viele können nicht vergessen, dass unter Gräber, als verantwortlicher Mannschaftstierarzt, zwei Reining-Pferde bei der Verfassungsprüfung bei den Weltreiterspielen 2006 lahm gingen, bei einem weiteren lahmen Pferd wurden von Seiten der Verterinärkommission beide Augen zugedrückt.

Der damalige Equipechef, Andreas Mamerow, trat nach den WEG zurück, der Tierarzt Gräber hatte damit nichts zu tun. Allerdings hat Gräber als möglicher Kandidat als Zuchtleiter schon abgewinkt, Insider munkeln, dass es gespieltes Desinteresse sein könnte.

Ginge es nach Willen einiger Hardliner der deutschen Quarter Horse-Szene, wäre Dr. Matthias Gräber (r.) der nächste Zuchtleiter - im Hintergrund ist Andreas Mamerow zu sehen, der nach dem Desaster der deutschen Reiningmannschaft bei den Weltreiterspielen 2006 in Aachen seinen Hut nahm.
Foto: Raimund Hesse

Ein weiterer Aspirant wäre Markus Rensing (Schmallenberg), derzeit Obmann im Zuchtausschuss, im richtigen Beruf Pferdewirtschaftsmeister und landwirtschaftlichem Studium, letzteres könnte als Qualifikation reichen. Auf der diesjährigen Pferdemesse Equitana erklärte Rensing, der eine kleine Zucht für den privaten Gebrauch hat und zusammen mit seinem Bruder eine Holzwirtschaft betreibt, für so einen Job keine Zeit zu haben: "Ich bin seit über 30 Jahren in dieser Szene involviert und kenne die Hochs und Tiefs, das muss ich mir nicht antun. Ohnehin stellt sich für mich die Frage, ob ich noch einmal für einen Posten kandidiere."

Er wäre die Idealperson als Zuchtleiter: Viel Kernkompetenz, seit über 30 Jahren in der Szene unterwegs, als ausgleichend geschätzt und ein exzellenter Kenner der amerikanischen Quarter Horse-Welt: Markus Rensing, der nach eigenen Worten nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen will.
Foto: Raimund Hesse

Damit ist die momentane Zahl der Kandidaten auch ausgedünnt, denn die Deutsche Quarter Horse Association braucht eine ausgewiesene Fachkraft, um am 1. Oktober weiterarbeiten zu können.

Für den Noch-Vorstand - auch an dessen Stuhl wird momentan fleißig gesägt - keine einfache Aufgabenstellung. In der heutigen Stellungnahme auf der Vereinshomepage ist unter anderem zu lesen: "Dass der Knecht auf dem eigenen Hof am wenigsten zählt, ist wohl leider wahr."

Hans-Jürgen Försters, erster Vorsitzender der Deutschen Quarter Horse Association, Miene drückt im Zusammenhang mit dem Rücktritt der Zuchtleiterin nur ansatzweise seine Laune aus.
Foto: Raimund Hesse

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