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Cositino ist der Siegerhengst der Holsteiner Körung 2011
Hermann Blohm (Kremperheide) ist der Züchter des Körsiegers 2011 / Das teuerste Pferd wurde für 600.000 Euro verkauft
Neumünster. Finanz- und Wirtschaftskrise hin und her – die Freunde und Züchter des Holsteiner Pferdes setzen auf Qualität – und zahlen dafür etwas: Auf der 41. Holsteiner Körung und Elite-Reitpferde-Aktion wurden Pferde für einen Gesamtumsatz von 3.720.500 Euro umgesetzt. Der teuerste Hengst war der 1. Reservesieger „Cascadello“ von Casall-Clearway-I Love You A. N. aus der Zucht von Detlef Hennings aus Bendorf, der für die stolze Summe von 600.000 Euro in einen Zucht- und Springstall nach Deutschland verkauft wurde. Der Siegerhengst „Cositino“ (Foto rechts) von Cosido-Libertine I-Tin Rocco aus dem Stall von Hermann Blohm in Kremperheide wurde für 180.000 Euro nach Brasilien verkauft.
Stehende Ovationen gab das fachkundige Publikum in der Holstenhalle dem Cosido-Sohn a. d. Libertina v. Libertino I (Stamm 3697) als Siegerhengst der Körung 2011. Nach vielen Jahrzehnten war es erstmals wieder ein Fuchs-Hengst, der von der Körkommission unter der Leitung von Hans-Joachim Ahsbahs in die führende Rolle der Holsteiner Zucht aufgenommen wurde. „Er ist ein außergewöhnliches Pferd“, sagte Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen, „perfekt im Exterieur, mit einer hervorragenden Oberlinie und sich immer auf dem Hinterfuß bewegend.“ Das Beste aber an dem Siegerhengst: Er springt über Häuser. Die Körkommission bonitierte den ganggewaltigen und sehr gut springenden Hengst mit 60 Punkten. „Das hat es meines Wissens noch nie bei einer Holsteiner Körung gegeben,“ erläuterte Dr. Nissen.

Der Siegerhengst der Körung 2011 des Holsteiner Verbandes: Der Hengst „Cositino“ von Cosido aus der Zucht von Hermann Bruhn (links). Hier gratuliert der Staatssekretär des zuständigen Ministeriums, Dr. Ernst-Wilhelm Rabius (rechts).
Als erster Reservesieger verließ der Cascadello v. Casall a. d. Vivanna v. Clearway- I Love You A. N (Stamm 4847) aus der Zucht von Detlef Hennings, Bendorf, und dem Besitz von Detlef sowie Reimer Hennings und Dieter Mehrens (Struvenhütten) den Körring. Der Braune, der sich an allen Tagen mit viel Präsenz der Körkommission und dem Publikum zeigte sich beim Freispringen mit einer hervorragenden Technik und schier unbegrenztem Vermögen. Zudem wies der Braune drei mit viel Energie überzeugende Grundgangarten auf.
Der dreimalige Deutsche Meister der Springreiter, René Tebbel, war erstmalig mit einem Hengst auf einer Holsteiner Körung vertreten, stellte zusammen mit Ingrid Pabst aus Herzlake den 2. Reservesieger: Calido Blue v. Calido I a. d. V-Quellbelle v. Quidam's Rubin-Carthago (Stamm 504). Der Emsbürener setzte den jungen Schimmel in Neumünster perfekt in Szene und wurde dafür mit einer Vorführerprämie bedacht.
Weitere Prämienhengste der Körung waren Baracuda v. Baloubet de Rouet a. d. Miss Cosma v. Contender-Constant (Stamm 7020), der von Frank Gillen in Viernheim gezogen und ausgestellt wurde, Cachassini v. Cachas-Cassini I-Cor de la Bryère (Stamm 4245) aus der Zucht von Hans-Jürgen Bruhn aus Immenstedt und dem Besitz von Hans Thomas Freiherr von Meerheimb (Rantzau) sowie des Holsteiner Verbandes, und French Fashion v. For Fashion a. d. Hiske v. Corleone-Gonzales (Stamm 1463) aus der Zucht von Erich Michaelsen (Ostrohe) und dem Besitz der Pferdezucht & Tierhaltung Lothar und Sven Völz in Wöhrden.
Insgesamt hatte der Holsteiner Verband sich 400 Junghengste des Geburtsjahrganges 2009 vorstellen lassen, 80 wurden davon zur Körung ausgewählt, 70 wurden dann in Neumünster vorgestellt. Insgesamt wurden 22 Zweijährige gekört. Einige der Junghengste – auch der spätere Körsieger – präsentierten sich schon am ersten Tag auf dem „freien Boden“ mit etlichen Höhepunkten. „Wir haben sehr viele moderne, herausragend springende Hengste gesehen“, urteilte der Luxemburger André Nepper, der im Nachbarland den Verband leitet und als einer der weltweit anerkanntesten Pferdekenner gilt, in seiner Berichterstattung den diesjährigen Holsteiner Hengstjahrgang.

Der 1. Reservesieger „Cascadello“ von Casall wurde für 600.00 Euro während der Körung verkauft. Hier die Züchter und Besitzer mit dem Vorsitzenden des Holsteiner Verbandes, Dr. Jan Lüneburg.
Fotos (3): Rolf Röhling
Nepper ging auch auf den Einfluss der französischen Pferde in der Holsteiner Zucht ein und verteidigte ihren Einsatz. Pferde wie Cor de la Bryere hätten die Zucht erheblich verbessert und den Rücken der Pferde wesentlich stärker gemacht. Er erklärte unter dem Beifall des Publikums in Neumünster, dass von den 300 weltweit besten Pferden 83 Prozent von Holsteiner Pferden abstammen, bei den konkurrierenden holländischen Pferden sind es 50 Prozent, die auf holländische Väter zurückblicken, aber von denen kommen ebenfalls 50 Prozent aus Holsteiner Zucht.
André Nepper gratulierte dem Verband und den Holsteiner Züchtern zu einer sehr gut organisierten Körung, zu einer „exemplarischen Zusammenarbeit der Körkommission“ und zu Herbert Blöcker, der mit seinem Team das Freispringen der Junghengste hervorragend organisiert und praktisch ideal durchgeführt hat.
Preise für Züchter und den Verband ganz hervorragend
Der 168 Zentimeter große Siegerhengst war - „obwohl Holsteiner Züchter die Fuchsfarbe nicht gerne mögen“ - das Prachtexemplar der Körung. Er wird in der nächsten Zeit den Holsteiner Züchtern im Lande zur Verfügung stehen und mit einem schleswig-holsteinischen Reiter im Springparcours unterwegs sein. Die von Berichtersatter André Nepper sowie vom Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen hervorragend beurteilten Hengste sowie die 34 zur Auktion anstehenden Reitpferde fanden dann auch das kaufkräftige Publikum.
Der Durchschnittspreis der gekörten Hengste kletterte von 72.833 Euro im Jahr 2010 auf nunmehr 121.230,77 Euro, der Durchschnittspreis der Reitpferde sprang von 40.891 Euro und 46.564,52 Euro. Zwei der Reitpferde gingen für mehr als 100.000 Euro weg, weitere acht für mehr als 50.000 Euro. Lediglich der Durchschnittspreis der nicht gekörten Hengste fiel von 30.158 Euro im Jahre 2010 auf jetzt 21.457,14 Euro. Dies könnte auch mit am Ablauf der Körung liegen, denn die nicht gekörten Hengste wurden am Schluss der dreitägigen Körung und Auktion verkauft. Da waren bereits etliche der Käufer nach Hause gefahren.
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