Banner

Wer ist online?

Wir haben 716 Gäste online

Kommentar: Western Riding, YouTube Video, Training in Malmö

Klartext von Dr. vet. Peter F. Cronau zu den Abreitepraktiken FEI Reining

 

Dr. Peter F. Cronau mit deutlichen Worten zum Abreiteskandal Reining in Malmö.
Archivfoto: Raimund Hesse

 

Argenbühl/BW. Beim Betrachten des YouTube Videos treten – einem déja vue-Erlebnis gleich – immer wieder die gleichen Fragestellungen auf, die sich wie ein roter Faden durch den Pferdesport ziehen. Pferdesporthistorisch ließen sich dazu Seiten füllen, zwei Ereignisse von verbandstypischen Fehlverhalten seien jedoch genannt, die Barraffäre 1990 und das Verhalten der Sportverbände FEI und FN nach den Ereignissen in Hongkong 2008.

Die erste Frage ist, wie kann es zu solchen Exzessen kommen, und die zweite stereotype Frage ist, wie geht man damit um. Letzteres betrifft zunächst die Sportorganisationen. Die FEI mit ihrem unbeweglichen trivialen Reglementen („actions will never happen immediately“), die FN in der permanenten Zwickmühle zwischen Gewaltenkonzentration (Gesetzgebung, Überwachung, Sanktion) und der Prämisse, Erfolge präsentieren zu müssen (Förderungswürdigkeit), ist sich auch in diesem Fall gemäß dem Motto treu: „Wenn ich mal nichts weiß, gründe ich einen Arbeitskreis“. Die FN könnte auch argumentieren, nachdem die Bevölkerung nach Hongkong ziemlich eingelullt war: „Jetzt nur ja keine negativen Schlagzeilen, wir haben uns gerade erst etwas erholt!“ Abgesehen von der Zuständigkeit der Sportorganisationen steht nun einmal der Tierschutz als oberstes Organ im Vordergrund sozusagen als das Grundgesetz über allen Umgangsformen des Menschen mit der Kreatur Tier. Alle drei Reiter/innen verhalten sich tierschutzrelevant. Das Verhalten sollte nicht nur vom Verband aufgearbeitet werden, es besteht eine große Chance für den Tierschutz, von staatlicher Stelle ein Exempel zu statuieren.

Ich will mich kurz fassen, denn die Videodarstellung ist eindeutig, unzweifelhaft und für jeden Menschen nachvollziehbar (auch für die Ziel-Gruppe der No-Horsemen). Was dort in Malmö auf dem Abreiteplatz geschehen ist, kann man nur als angewandte Ächtung des Tieres und Schinden der Kreatur bezeichnen. Auch wer nichts von der Körpersprache des Pferdes versteht, muss erkennen, dass die Demutsstellung des Pferdes von Rieky Young (der Link zum Video) nach der 23 Sekunden dauernden Spinserie signalisiert, nur Sterben ist die Erlösung von dieser Pein. Verhalten, Ohrenspiel, Nüsternbewegung und Kopfhaltung offenbaren tiefste Niedergeschlagenheit und Aufgabe des Persönlichkeitsstatus eines Pferdes. Wenn ein derartiger Umgang mit einem Lebewesen legalisiert wird wo die Volksmeinung heutzutage wegen einer Kröte eine Brückenüberführung baut und kein Deutscher in seinem Garten ohne amtliche Genehmigung mehr einen Baum fällen darf, ist es an der Zeit aufgrund der Vorkommnisse in Malmö im Einzelnen und der Einstellung zum Tier im Allgemeinen nicht nur einen Warnschuss, sondern einen Böllerschuss los zu lassen.

Quintessenz:

a) Reiterin bzw. Reiter: ROTE KARTE; Sperre um Zeit zu gewinnen, Verhalten und Einstellung zum Tier zu lernen; bevor wieder ein Pferd bestiegen wird: Gewissenprüfung

b) Verband: ROTE KARTE; Animation zur sofortigen Beschleunigung von tierschutzrelevanten Sofort-Maßnahmen wie Disqualifikation auf der Stelle und drastische Strafen im Reglement zu verankern; auf Rapports und langfristige Darstellungen zu warten verfolgen nur den Zweck eines gezielten Verbringens in die Schublade, wo ohnehin viele Leichen liegen.

Info zur Person

  • Dr. med. vet. Peter F. ­Cronau (68) studierte an der Münchener Ludwig- Maximilians- Universität (1964-1969), promovierte 1978 über „Tetanus beim Pferd“. Er war unter anderem vier Jahre Mitglied und acht Jahre lang Präsident des FEI-Veterinär-Kommittees sowie 25 Jahre Mannschaftstierarzt der deutschen Springreiter bei FEI Championaten und Olympischen Spielen. 1989 wurde Dr. Cronau von der Real Federacion Hipica Espaňola (RFHE) für besondere Verdienste im Pferdesport in Spanien mit dem Spanish Award ausgezeichnet. Die Reitsportfachzeitschrift REITER REVUE ehrte den Veterinär mit der Fairplay Trophy Reiter Revue für sein Engagement im Kampf gegen Doping im Pferdesport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) verlieh ihm 2002 das Deutsche Reiterkreuz in Gold, für besondere Verdienste im Pferdesport in Deutschland.
  • Konstruktive Kritik am System, am Sport und an Funktionären beim nationalen Reiterverband, der FN, und der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) sowie am International Olympic Committee (IOC) sind in seinem 1995 erschienenen Buch (BLV-Verlag) „Pferdesport wohin? - Ein kritischer Blick hinter die Kulissen“ nachzulesen.

Comments are now closed for this entry

23. Mai 2012

Kostenlos: PDF-Special

Banner
Banner

PDF-Newsletter-Service

Sie möchten regelmäßig über Themen auf PferdeSportzeitung_de über unseren Newsletter-Service informiert werden? Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter - OHNE jede Verpflichtung. Bitte nachstehend Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse eintragen und auf Newsletter ANMELDEN klicken. Die Nutzungsbedingungen (AGB Newsletter) müssen bestätigt werden.
Nutzungsbedingungen