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FEI Reining Weltcup-Finale: Das „Abkochen“ in der Abreitehalle

Auch deutscher Teilnehmer in der Kritik: Hörmann - keine Spur von Fairness gegenüber dem Pferd

Und noch einmal ein bisserl "Checken" .. kann doch nicht so schwer sein.
Deutlich zu sehen die rechte Zügelhand, die die Zügel noch oben reißt.
Screenshot: EPONA.tv

Malmö/SWE. Bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky war er noch der strahlende Silbermedaillengewinner, fast ein Jahr später zeigt ein Video beim FEI Reining Weltcupfinale (18.-22. Mai 2011) im schwedischen Malmö ein anderes „Ich“ des Amerikaners Craig Schmersal (Overbrook/Oklahoma). Das dänische TV-Internet-Portal EPONA.tv war in der Abreitehalle mit der Kamera dabei und nahm Szenen auf, die man zwangsläufig mit hemmungslosen Ehrgeiz und Brutalität in Verbindung bringt. In dem Videoclip ist zu sehen, wie Schmersal das so genannte „Checken des Pferdes praktiziert“, das in der Reiningszene mehr als beliebt ist. Dabei werden die Zügel mehr oder weniger heftig angezogen, damit das Pferd aufmerksam werden soll - so das allgemeine Verständnis des Reiters oder Trainers, oft als beliebte Rechtfertigung erwähnt.

Und so sieht "Fencen" aus.
Screenshot: EPONA.tv

 

Eine weitere Unsitte, die das Video zeigt, ist das so genannte „Fencen“. Fencen - Böhmische Dörfer? Einfach erklärt. Damit das Pferd beim so genannten Sliding Stop, eine der Lektionen aus einer Reiningprüfung, optimal stoppt, lässt man es im Training im scharfen Galopp gegen die Wand laufen, bremst dann kurz vor der Berührung mit der Bandenwand abrupt ab, so dass das Pferd wirklich ganz knapp vor dem Hindernis zum Stehen kommt - manchmal auch nicht. Nicht nur einmal wird so ein Manöver praktiziert, sondern mehrere Male. So wie in dem Video von Malmö. Die Einen, nämlich die Reiter und oft auch die Pferdebesitzer, finden diese Praktik ganz „normal“, andere finden es einfach nur brutal.

Das Video als Nicht-Anschauungsmaterial für "effizientes Training". Craig Schmersal bei der „Arbeit“.

Die Richteraufsicht in dieser Abreitehalle hatte das Training des amerikanischen „Elite-Reiters“ zwar mitbekommen, aber es schien nicht zu interessieren. Mehr interessiert war allerdings der betroffene Reiter. Schmersal ließ dem Videoportal EPONA.tv per Anwalt mitteilen, dass er dieses Video verbietet, seine Markenrechte würde damit verletzt. Also ist anzunehmen, dass Schmersal einen ebensolchen Bekanntheitsgrad wie die berühmte Maus mit den großen Ohren hat - denn diese unterliegt wirklich dem internationalen Markenschutz. Vielleicht kennt sich Schmersal auch nicht mit den Gepflogenheiten des internationalen Reitsports aus. Wie auch, denn die FEI-Abteilung Reining gibt es zwar seit dem Jahr 2000, aber es scheint sich dafür im Pferdesport niemand zu interessieren - die Reiningszene ausgenommen, die weltweit übrigens in der Gesamtrubrik Pferdesport unter 10 % liegt. Man kann auch eine mutmaßliche Überheblichkeit dem Amerikaner Schmersal zuordnen, getreu dem Motto „wir waren mal eine Weltmacht …“ - wie vorerwähnt, es war einmal.

Young und Hörmann auf dem Index der Kritik

Sichtlich erschöpft scheint das Pferd nach über 23 Sekunden "Spin" zu sein.
Screenshot: EPONA.tv

Auch zwei europäische Finalteilnehmer sind auf einem weiteren Video von EPONA.tv zu sehen - auch in weniger vorbildlicher Praxis. Da wäre die Holländerin Rieky Young, die enge Kontakte zu ihrer Landsmännin und Dressurreiterin Anky van Grunsven unterhält und sie in der Reining trainiert. Young musste in der Abreitehalle dieser FEI-Veranstaltung von Geschwindigkeiten besessen sein, denn sie ließ ihr Pferd über 23 Sekunden lang im so genannten Spin drehen. Der Spin ist eine 360-Grad-Drehung auf dem Hinterbein, jeweils links oder rechts in der Ausführung. Auch hier sah die Aufsicht kein Bedarf zum Einschreiten.

Noch einmal nebenbei bemerkt. Das Szenario fand nicht als Trainingseinheit in einem Privatstall statt, sondern es war eine offizielle Veranstaltung der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), die eigentlich solche Szenen durch aufsichtführende FEI-Stewards unterbinden sollte. Keine Spur davon in Malmö.

Auch der für Deutschland startende Nico Hörmann (Bünde in Westfalen) hat in dieser Abreitehalle alles andere als vorbildliches Horsemanship gezeigt, wie es eigentlich auch im Sinne der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) verstanden wird. Hörmann muss ebenfalls ein Fan von „Fencen“ sein, so ist es auf dem Video zu sehen. Als Krönung beim Stoppen noch einmal ein nachhaltiges „Checken“ mit dem Zügel. Vielleicht sollte man in Warendorf einmal darüber nachdenken, ob die Regeln für Kaderreiter ein wenig angezogen werden sollten. Eine Ruhmestat war das Verhalten von Hörmann nicht.

Na bravo, Herr Hörmann. Wirklich vorbildliches Horsemanship.
Screenshot: EPONA.tv

Das Video von Young und Hörmann.

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23. Mai 2012

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