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Interview: Die Spanische Hofreitschule immer noch im „Tal der Tränen”

Klare und deutliche Worte von Dr. Josef Offenmüller vom Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule Bundesgestüt Piber

Klartext von Dr. Josef Offenmüller.
Foto: privat

 

Wien. Die Geschäftsführung - Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer - der Spanischen Hofreitschule in Wien steht nach wie vor in der öffentlichen Kritik, auch wenn die ehemalige österreichische Dressurreiterin Sissy Max-Theurer in einer deutschen Pferdefachzeitschrift in einem Leserbrief eher das Gegenteil behauptet. Dass Max-Theurer ihre Meinung verbreitet, ist ihre Sache. Dass Max-Theurer von „völlig haltlosen Vorwürfen“ schreibt, ist nicht so ganz nachvollziehbar. Für die PferdeSportZeitung.de Grund genug, um mit Dr. Josef Offenmüller, Repräsentant des Freundeskreises der Spanischen Hofreitschule Bundesgestüt Piber, ein Interview zu führen.

PSZ: Herr Offenmüller, laut Leserbrief von Sissy Max-Theurer in einer Pferdefachzeitschrift scheint in der Spanischen Hofreitschule alles in Ordnung zu sein. Der eigentliche Übeltäter ist der Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule Bundesgestüt Piber, der „unsachgemäße Attacken in der Öffentlichkeit verbreitet”. Sehen Sie sich als Querulant?

  • Dr. Offenmüller: Von Querulant kann wohl keine Rede sein. Der Freundeskreis ist eine Interessengemeinschaft von zum großen Teil hochkarätigen Pferdefachleuten, die die Entwicklung der Spanischen Hofreitschule nun seit vielen Jahren beobachten und eine zunehmende Abkehr von der historischen Tradition – nämlich der Aufrechterhaltung der Klassischen Reitkunst in ihrer ursprünglichsten Form – feststellen und mit der Außerdienststellung der beiden erfahrensten Oberbereiter den bisherigen Kulminationspunkt erkennen. Es ist ja höchst eigenartig und seltsam, dass seitens der Geschäftsleitung offenbar keine Kritik zugelassen wird, weder von außen, noch von innen; das allein sollte jeden Interessierten bedenklich stimmen. Natürliche Autoritäten und wirkliche Top-Führungskräfte provozieren Kritik und nehmen sie an, um Verbesserungspotential zu erkennen und zu ermöglichen. Da wir bislang nur eine einzige Gesprächsmöglichkeit hatten, um unsere Absichten kund tun zu können, und jedes Ersuchen um ein weiteres Gespräch mit der Geschäftsführung keinen Erfolg zeigte, bleibt uns ja gar keine andere Möglichkeit, als unsere Forderungen und Bedenken über die Öffentlichkeit zu erheben. Auf Grund dessen versucht man uns als Initiatoren „unsachgemäßer Attacken in der Öffentlichkeit“ abzutun.

PSZ: Erst vor einigen Wochen musste das Landwirtschaftsministerium für das Geschäftsjahr 2009 der Spanischen Hofreitschule mit 780.000 Euro zuschießen, der zuständige Minister Berlakovich sprach von einer einmaligen Sonderzahlung. Treffen unsere Informationen zu, dass sich für 2010 mutmaßlich wieder einen Zuschuss und dennoch ein Defizit abzeichnet? Dieses Mal sogar in Millionenhöhe?

  • Dr. Offenmüller: Frau Max-Theurer ist da bei ihren Ausführungen über die angeblich so gut laufende Konsolidierung der Finanzen ein Fehler (einer unter mehreren anderen, die noch korrekt darzustellen und zu korrigieren sind) unterlaufen. Sie schreibt von einem Defizit für 2009 von „nur“ 269.000 Euro, nachdem die Hofreitschule im Jahr 2007 rund 2,3 Mio. Euro Abgang hatte. Dabei hat sie aber die von Ihnen erwähnte Sonderzahlung des Ministeriums, die es die Jahre davor nicht gab, vergessen zu erwähnen. Rechnerisch wurde ohne das öffentliche Einspringen damit das Defizit auf „nur“ über einer Million Euro gesenkt. Leider aber werden die Geschäftszahlen der Spanischen Hofreitschule – obwohl zu 100 % im Bundeseigentum – nicht veröffentlicht. Man ist daher immer auf die eigene Darstellung angewiesen. Für 2010 wurde von der Geschäftsführung erneut ein Defizit – diesmal in Höhe von sogar 1 Mio. Euro kolportiert. Dies trotz des erneuten Zuschusses des Ministeriums. Damit stehen wir – nach all den massiven Maßnahmen der Geschäftsführung – offenbar wieder bei einem erwirtschafteten Defizit von rechnerisch rund 1,8 Mio. Euro. Das ist dann nicht mehr so weit weg von dem, was bei Übernahme durch die neue Geschäftsführung „geerbt“ wurde. Allerdings muss man Geschäftszahlen ja immer interpretieren, wenn sie für eine Analyse und Beurteilung dienen sollen. Es ist „Piber“, das die Verluste bringt und nicht die Reitschule in Wien; diese fährt Gewinne ein. Zuchtbetriebe positiv zu führen, ist nicht einfach, umso mehr als der Lipizzaner ja nur einen begrenzt großen Absatzmarkt hat. Es wäre sehr angebracht, wenn sich die Geschäftsleitung noch viel intensiver um Piber kümmern würde. Es ist schon verständlich, dass es angenehmer ist, in Wien in der Hofburg zu residieren als in einem gesellschaftlichen abgelegenen (wenn auch sehr schönen) Winkel der Steiermark und dort hart an der Reduktion des Defizits zu arbeiten. Top-Manager zeichnet aus, dass sie sich intensiv um defizitäre Geschäftsfelder kümmern und nicht die Cashcow noch weiter „auslutschen“.

PSZ: Die Veranstaltung „Fête Imperial” am 10. Juli in der Spanischen, organisiert von der Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler, sollte viel, viel Geld in die klamme Kasse bringen. Auffällig genug wurde diese Veranstaltung beworben, doch das Ergebnis ist anscheinend noch nicht bekannt. Ball-Mutter Gürtler (Zitat der Wiener Tageszeitung HEUTE) hatte die Vision, eine außergewöhnliche Inszenierung für gehoffte 3.000 Ballgäste zu schaffen. Bis auf neun Fotos auf der eigens eingerichteten Internetseite www.fete-imperiale.at ist keine Information über den Reinerlös zu finden. Nach vorsichtiger Schätzung bei den dort genannten Preis dürfte der Umsatz im hohen sechsstelligen Bereich liegen. Ist dem Freundeskreis der Reinerlös dieser pompösen Veranstaltung bekannt, der laut Gürtlerischen Vision der Spanischen Hofreitschule zu Gute kommen soll? Die Pressestelle der Spanischen ist bis heute nicht in der Lage, unsere Anfrage zu beantworten.

  • Dr. Offenmüller: Naja, die Frage nach einem Reinerlös zu beantworten ist auch nicht leicht, wenn es gar keinen Reinerlös gibt. Dies ist natürlich nur eine Vermutung von mir, die sich aus der einfachen Überlegung herleitet, dass Topunternehmen auch internationaler Größenordnung in der Regel jeweils am Folgetag, spätestens aber in der gleichen Woche, über den Zustand des Unternehmens oder eines Geschäftsfalles Bescheid wissen. Am Tage nach der Ballnacht mussten die Einnahmen aus Eintritt, Spenden und Sponsoring ja bereits bekannt gewesen sein, die Aufwendungen auch, also bedarf es einer einfachen Summation um zu wissen, ob man positiv oder negativ ist. Die Bewerbung der Fête Imperial war wirklich hervorragend und nicht zu übersehen, aber nach der Ballnacht ist es erstaunlich ruhig geworden. Sie können mir glauben, Herr Hesse, wäre es ein finanzieller Erfolg gewesen, die Welt hätte es am nächsten Tag erfahren. Sollte meine Vermutung eines Verlustes, der auch gerüchteweise kolportiert wird, richtig sein, frage ich mich, wer diesen Verlust abdeckt. Sollte es der Bund sein, dann würde der Steuerzahler mit aufkommen müssen, was ich nicht fair finden würde. Ich hoffe, dass die Geschäftsleitung trotzdem den Mut hat, auch einen Verlust bekannt zu geben, was ich grundsätzlich nicht so schlecht fände, weil eine Geschäftsidee beim ersten Mal ja noch kein Erfolg sein muss.

PSZ: Gehörten Sie zu den Ehrengästen bzw. haben Sie die Fête Imperial besucht?

  • Dr. Offenmüller: Nein, ich persönlich war nicht dabei, weil ich grundsätzlich keine Bälle besuche, auch nicht Bälle imperialer Ausrichtung. Dass ich als Kritiker nicht zu den Ehrengästen gehörte, ist wohl selbsterklärend und selbst, wenn ich kein Kritiker wäre, gehöre ich nicht zu den Ehrengästen solcher Veranstaltungen. Es waren aber einige Gäste dabei, die sich zum Freundeskreis zählen und auch Mitglieder der „Gesellschaft der Freunde der Spanischen Hofreitschule“, die die Bewegung des Freundeskreises unterstützen, sind dort gesichtet worden. Wenn die Reitschule dem historischen Auftrag gemäß geführt würde (was ja im Hofreitschulgesetz ausreichend erklärt ist), gibt es gegen solche Veranstaltungen, wie der der „Fête Imperial“, nichts zu sagen – im Gegenteil. Jedoch finden wir vom Freundeskreis und nicht nur wir (!), dass der Erfüllung des gesetzlichen Auftrages mehr Augenmerk zu widmen ist als Ballveranstaltungen. Die Reitbahn liegt aus Sicht des Freundeskreises, und damit meine ich alle, die sich dazu bekennen, aus unserer Sicht im Argen – speziell, was die Zukunft des Institutes betrifft.

PSZ: Die Spanische Hofreitschule ist eine öffentliche Einrichtung, so dass doch anzunehmen ist, dass es für das Catering eine Ausschreibung gegeben haben müsste. Ist Ihnen bekannt, ob es diese Ausschreibung gab und  wer den Zuschlag bekam?

  • Dr. Offenmüller: Aus meiner Sicht sollte es in solchen Fällen öffentliche Ausschreibungen geben, wenn das ausschreibende  Unternehmen im Eigentum der öffentlichen Hand ist, was bei der Hofreitschule ja der Fall ist. Ob es tatsächlich so gehandhabt wurde, kann ich nicht beurteilen, weil ich keinen Einblick dazu habe. Das kann aber in Österreich der Rechnungshof prüfen.

PSZ: Haben Sie eine Meinung zur wohl geplanten Vision, die Lipizzaner in den Sport bringen zu wollen? Wenn es so wäre, wo sollen für den gehobenen Dressursport, wohlmöglich mit internationaler Ausrichtung, die entsprechenden Pferde herkommen und wer soll diese dann im Sport vorstellen? Ist der oberste Reitlehrer, Ernst Bachinger, qualitativ in der Lage, den neuen Bereich Sport zu trainieren?

  • Dr. Offenmüller: Gleich vorweg: es gibt keinen neuen Bereich Sport ! Das ist ja wohl der wesentlichste Punkt in unserer Kritik. Wir wollen keine Vermischung von Sport und Klassischer Reitkunst in der Spanischen Hofreitschule! Dies wurde im Zuge der Ausgliederung und auch als bindende Bedingung von der damals treibenden Kraft der Ausgliederung, dem damaligen Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer, öffentlich so formuliert, nachzulesen auf unserer Homepage www.freundeskreis-srs.at. Es ist vielleicht (oder wahrscheinlich) die Absicht von Frau Max-Theurer in ihrer Funktion als Präsidentin des „Bundesfachverbandes für Reiten und Fahren in Österreich“, die Reitschule für sportliche Zwecke zu „gebrauchen“, aber genau das wollen wir nicht. Die Reitschule muss der Hort der klassischen Reitkunst bleiben. Wie soll den ein für die klassische Reitkunst über Jahrhunderte gezüchtetes Pferd (umgangssprachlich „Barockpferd“) gegen die eigens für sportliche Prüfungen gezüchteten Dressurpferde reüssieren; das wäre ja geradezu blamabel für die Reitschule, geeignet die Reitschule international lächerlich zu machen; und nicht nur die Pferde auch die Bereiter. Herr Bachinger, der sowohl die Reitschule als auch den Sportbetrieb kennt, müsste lautstark und vehement ein Veto dazu einlegen. Aber offensichtlich hat ihn in den 30 Jahren Abwesenheit der Dressursport zu sehr geprägt. Der Sportbereich liegt in den Händen des Bundesverbandes und damit in den Händen von Frau Max-Theurer und es ist ihre Aufgabe, im Rahmen dieser Institution sportliche Erfolge einzufahren und wenn das nicht gelingen sollte, sind andere Maßnahmen zu setzen als die Spanische mit hinein zu ziehen; diese ist ein Zentrum der Klassischen Reitkunst, unanfechtbar, unantastbar und unerreichbar in der Hohen Schule. Nochmals: Finger weg vom Sport!

PSZ: Immer wird die einmalige Reitkunst der Spanischen Hofreitschule mit billiger Schaureiterei in Verbindung gebracht. Gibt es dafür eine Begründung?

  • Dr. Offenmüller: Ja, Herr Hesse, dort werden wir einmal hinkommen, wenn sich die Spanische so weiterentwickelt. Natürlich ist es viel einfacher und billiger und damit die Chance auf eine positive Bilanz am Ende des Jahres größer. Der Durchschnittstourist merkt’s ja eh nicht, ob ein Künstler (ich meine damit einen erfahrenen Oberbereiter) auf dem Pferd sitzt oder ein Durchschnittsreiter mit guter reiterlicher Ausbildung – wichtig ist der weiße Lipizzaner und der Reiter im braunen Frack, umgeben von der phantastischen und einmaligen Architektur und Aura der Reitschule und dem Bildnis Karl VI als Zeugnis imperialer und (ehemals) traditioneller Ausrichtung. Zucht ist dann einfacher, Reiter sind billiger, nur sind diese dann keine Bereiter. Noch dazu dann eine sportliche Ausrichtung, die Sportlipizzaner müssen ja nicht aus Piber kommen, sondern aus Rumänien, Serbien, Slowakei oder woher auch immer. Den Defizitträger Piber kann man zusperren und der Steiermark überlassen und unsere „teuren“ im klassischen Sinn gut ausgebildeten Bereiter und besonders Oberbereiter kündigt man, schickt sie in Pension wenn sie nicht mitspielen. Ade, Spanische Hofreitschule. Genau das wollen wir „Querulanten“ des Freundeskreises NICHT und deshalb setzen wir unsere Aktivitäten.

PSZ: Die Geschäftsführung der Spanischen Hofreitschule hatte eine Einstweilige Verfügung gegen den Freundeskreis angestrebt, weil auf Ihrer Internetseite ein von der PferdeSportZeitung.de verfasster Artikel über eine Werbeaktion einer Wiener Escort-Agentur verlinkt war. Die Rede war von unter anderem von Kreditschädigung. Die Einstweilige Verfügung wurde durch das Handelsgericht Wien abgewiesen. Ist damit die oft angedeutete „Allmacht” der Elisabeth Gürtler unterbrochen, nachdem das Gericht nicht dem Antrag der Hofreitschule-Anwälte folgte?

  • Dr. Offenmüller: Frau Dkfm. Elisabeth Gürtler ist eine erfolgreiche Geschäftsführerin des renommierten Hotels Sacher und hat ein exzellentes Netzwerk bis in höchste Kreise der Politik und Wirtschaft. Allmacht gibt es bekanntlich nicht; jeder Tag kann das Ende eines „Allmächtigen“ bedeuten. Wie so oft schon geschehen, wird man von abhängigen Personen fallen gelassen und vorbei ist’s mit der Allmacht. Uns geht es nicht darum, Frau Gürtler zu schaden, wozu auch, sondern alles zu tun, um wie schon unzählige Male formuliert und ausgesprochen, die Entwicklung der Spanischen Hofreitschule wieder in eine Richtung zu bringen, die es auch den nachfolgenden Generationen ermöglicht, die Klassische Reitkunst, wie sie seit hunderten Jahren ausgeübt und gepflegt wird, zu bewundern. Dass seitens der Geschäftsführung aber mit einer Klage gegen den Freundeskreis vorgegangen wurde, hat uns schon sehr irritiert – Kunstkritik vor den Gerichten ausstreiten zu wollen ist ja absurd.

PSZ: Hat der Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule konkrete Vorstellungen, wie der Weg aus dem „Tal der Tränen” bzw. wie die derzeitige Krise nachhaltig zu beenden ist?

  • Dr. Offenmüller: Ja, die Gepflogenheiten und Traditionen der Reitbahn so weiter zu führen wie es traditionell war. Frau Gürtler spricht von Tradition und bricht mit ihr gleichzeitig. Es ist TRADITION, dass der erste Oberbereiter mit den anderen Oberbereitern die Reitbahn (also Bereiter und Pferde) verantwortet. Der vorherige Geschäftsführer hatte mit Pferd und Reiten, soweit ich informiert bin, nichts am Hut und außerdem dürfte keine Vertrauensbasis zwischen Oberbereiter und Geschäftsführer bestanden haben, sodass er eine zusätzliche Stelle (Leiter der Reitbahn) geschaffen und von außen mit Herrn Bachinger besetzt hat. Außerdem sollte ja schon damals (2006) eine Vermischung mit der Sportreiterei hergestellt werden und dafür war nun Herr Bachinger prädestiniert. Herr Bachinger war erfolgreich im Sport, hatte 18 Jahre in der Spanischen zugebracht und brachte aus Sicht des vormaligen Geschäftsführers somit die besten Voraussetzungen mit. Das war der erste große und wesentliche Bruch mit der erfolgreichen Tradition der Spanischen, nämlich künstliche Schaffung einer UNNÖTIGEN zusätzlichen Führungsstelle (die ja auch was kostet), Außerkraftsetzung der Aufgaben und Bedeutung der Oberbereiter und Besetzung mit einer sportlich orientierten Person.
    Wenn die Spanische auch in Zukunft die weltweite Bedeutung und unantastbare Anerkennung als Tempel der Klassischen Reitkunst behalten will, heißt das: Zurück zur Tradition, weil „diese“ hat ihren Erfolg ja schon über 400 Jahre bewiesen. Und jetzt kommt eine wesentliche Anmerkung: Unser ureigenstes Ziel ist nicht, die beiden Oberbereiter wieder in die Reitschule zu bringen, aus freundschaftlichen oder anderen Gründen, sondern um die Fortführung der erfolgreichen traditionellen und notwendigen Prinzipien wieder in Kraft zu setzen. Und dazu brauchen wir die beiden freigestellten Oberbereiter und die Bedeutung, die Oberbereiter für die Reitbahn seit jeher gehabt haben. Es geht doch auch nicht darum, Herrn Bachinger ad personam abzulehnen, sondern seine Funktion und die geschaffene Stelle ist nicht nur unnotwendig, sondern störend für die traditionelle Führung der Reitbahn.
    Den Freundeskreis stellt man in die Ecke der „Querulanten“ und als „Freunde“ der beiden freigestellten Oberbereiter (ich kenne Herrn Riegler persönlich gar nicht!). Wir wollen aber nur die Erfüllung des gesetzlichen Auftrages und dazu brauchen wir die beiden Herrschaften wieder in ihrer Funktion, um dies auch in Zukunft gewährleisten zu können. Und da wir meinen, dass die Sportreiterei nichts in der Spanischen verloren hat, brauchen wir die künstlich geschaffene Funktion „Leiter der Reitbahn“ nicht und damit in Konsequenz auch Herrn Bachinger nicht. Und wenn man seitens der Republik Österreich die Klassische Reitkunst in der traditionellen Form nicht mehr will, dann soll man das Hofreitschulgesetz ändern und den gewünschten Forderungen anpassen. Auch in Ordnung, wenn auch schade um die alte Spanische Reitschule. Aber bitte nicht Änderungen im Geschäftsmodell hinter dem Gesetz oder der Tradition verstecken.
    Im Übrigen sind die Forderungen des Freundeskreises in einem Forderungskatalog festgeschrieben und auch der Geschäftsführung bekannt.

PSZ: Verglichen mit der Stellenbeschreibung für die Landstallmeister der deutschen Landgestüte, nämlich eine fachlich qualifizierte Person, scheint es mit der hippologischen Führungsqualität der Spanischen Hofreitschule nicht berauschend auszusehen. Oder ist Ihnen bekannt, dass das Geschäftsführer-Duo Gürtler/Klissenbauer eine entsprechende Qualifikation vorzuweisen haben?

  • Dr. Offenmüller: Die Qualifikation der Geschäftsführung stelle ich nicht in Abrede, wenn sie nur die Reitbahn in Ruhe lässt und führungsmäßig den Oberbereitern überlassen würde; das ist seit Jahrhunderten gut und erfolgreich so geregelt. Es gibt so viele herausfordernde Aufgaben (Piber, Sponsoring, Marketing und und und ), die zum Erfolg der Reitschule beitragen könnten und müssten. Dafür sollten die beiden Geschäftsführer vielleicht auch bestens geeignet sein. Nur die Reitbahn und deren Aufgaben dürfen sie nicht beeinflussen, die hat in über 400 Jahren ihren Erfolg bewiesen. Genau das tut man seitens der Geschäftsführung aber, weil es halt einfacher ist. Als ich 2007 erfuhr, dass Frau Gürtler als Geschäftsführerin der Reitschule bestellt wurde, war ich begeistert, weil ich glaubte, dass sie das Institut optimal vermarkten kann. Bis jetzt gibt es keinen nennenswerten Sponsor, keine Tourneen mehr, viele Kritiker, zwei freigestellte Oberbereiter, schlechter werdende Vorstellungen und nach wie vor ein hochdefizitäres Piber ...

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23. Mai 2012

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