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Spanische Hofreitschule: Erneute Watschen für Gürtler
Ein Kommentar zur Krise des jüngsten Weltkulturerbes
![]() Screenshot: HEUTE.AT |
Wien. Schlagzeilen im Juni/Juli in Sachen Spanische Hofreitschule: “Mit einer Escort Agentur die Spanische Hofreitschule besuchen” - “Das Geheimnis über das Jahresgehalt der Hofreitschule-Chefin Elisabeth Gürtler wurde von der Online-Zeitung HEUTE.AT aufgedeckt” - “Die Bundesrat-Partei Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) prangerte an: “Die Spanische Hofreitschule krankt / Wir müssen gegen den Qualitätsverlust kämpfen” - “Hofreitschule vor der Pleite, meldete erneut HEUTE.AT” - “Die IG Pferdeschutz stellte bei der Wiener Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen die Geschäftsführung der Spanischen, wegen Tierquälerei” - “Weiterhin besteht laut einer Pressemitteilung der IG Pferdeschutz der Vorwurf von Doping auf Tourneen und bei den Vorführungen.”
Alles in allem waren es keine einfachen Wochen für die Generaldirektorin Dkfm. Elisabeth Gürtler, so wird sie auf der Internetseite der Spanischen Hofreitschule tituliert. Generaldirektorin gibt auch was her und wird wohl sein müssen, denn die Vorgänger von Gürtler waren hippologische Persönlichkeiten von höchster Qualität. Das Maß aller Dinge war Oberst Alois Podhajsky (1939-1964), der nicht nur ein begnadeter Reiter und Ausbilder war, er wird auch als Retter der Spanischen während des Zweiten Weltkrieges in vielen Schriften genannt. Sogar Olympische Ehren stehen für den Oberst, mit dem Lipizzanerhengst Nero gewann er bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin die Bronzemedaille. Vergleichbares in puncto Kompetenz hat Gürtler nicht aufzuweisen. Zwar war sie Vizestaatsmeisterin Dressur und gehörte auch 1979 der Equipe Österreichs beim Aachener CHIO an, das allein kann nicht als hippologisches Qualitätsmerkmal ausreichen.
Es mag sein, dass Gürtler im Hotelgewerbe eine ausgewiesene Fachkraft ist, immerhin leitet sie seit vielen Jahren eine Wiener Nobelherberge. Von 1999 bis 2007 organisierte sie den Wiener Opernball, bei dem laut einer Meldung von ORF.AT durchschnittlich 1,1 Millionen Euro pro Opernballabend erwirtschaftet wurden. Zu dumm aber auch, dass das Erfolgsrezept Hotel und Opernball nicht 1:1 auf die Spanische Hofreitschule umzusetzen ist. Ein Hotel ist ein Hotel, ein Opernball bleibt ein gesellschaftliches Ereignis, das man leben muss oder auch nicht. Die Spanische Hofreitschule ist eine ganz andere Größenordnung, die nicht eben Mal im “Nebenjob” gemacht werden kann. Und wenn es für diesen “Nebenjob” schon ein Jahresgehalt von 136.000 Euro gibt, sollte dieses Einkommen auch entsprechend verdient sein.
Dazu gehört nicht ein aktueller Jahresfehlbetrag im sechsstelligen Bereich, der vom Umweltministerium mit 800.000 Euro aus Steuergeldern gedeckelt worden ist. Effizienz in der Geschäftsführung sieht anders aus. Umweltminister Niki Berlakovich weist laut HEUTE.AT ausdrücklich dahin, dass diese Finanzspritze ein einmaliger Vorgang sei. Hofft er oder glaubt er daran, der Herr Minister? Will er, sollte in nächster Zeit oder in einem Jahr, wenn wieder ein Defizit droht, das die Liquidität der Spanischen in Frage stellt und der Gang zum Insolvenzgericht angetreten werden muss, das UNESCO Weltkulturerbe dem totalen Untergang weihen?
Auch die Ausführungen der Bundesrat-Partei Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ) müssen wie ein Paukenschlag im Büro der Generaldirektorin Gürtler gewirkt haben, musste sie doch durch eine Oppositionspartei erfahren, dass von Maulbluten der Pferde, von Lahmheit, von offensichtlichen Reitfehlern und von unsauberen Uniformen die Rede ist. Und dass die Spanische Hofreitschule nicht zum Touristenzirkus und zur vulgären Sportdressurstätte in historischen Uniformen verkommt. Besonders der Ausdruck “vulgäre Sportdressurstätte” muss für die ehemalige Vizestaatsmeisterin in der Dressur besonders schmerzhaft gewesen sein. Immerhin wird mit dieser ruchlosen FPÖ-Umschreibung auch die Kompetenz des momentanen Oberbereiters Ernst Bachinger in Frage gestellt, soll er doch die Annäherung an den internationalen Dressursport vorantreiben.
![]() Die reiterliche Qualität - es soll wohl wie die Hohe Schule aussehen - spricht für sich. Sreenshot: Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule |
Kein verspäteter Aprilscherz, Bachingers Ausrichtung soll der große Sport sein. Und das mit Lipizzanern. Es mag sein, dass Gürtler und Bachinger die klassische Hohe Schule mit den Lektionen einer Dressuraufgabe Grand Prix Special gleichsetzen. Und wer soll die anspruchsvollen Dressuraufgaben reiten? Und wer ausbilden? Bachinger wohl kaum, denn sein “reiterliches Können” ist in einem Video auf der Internetseite des Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule zu “bestaunen”: www.freundeskreis-srs.at - dann auf Beiträge (Ernst Bachinger auf Neapolitano Pastine) gehen. Mehr zu der reiterlichen Qualität ist nicht zu sagen - für eine leichte L-Dressur gäbe es eine Wertnote zwischen 3,5 und 4,8, und das wohlwollend. Erstaunlich, dass gegen die Veröffentlichung dieses Videos bisher keine anwaltliche Schritte eingeleitet wurden.
Auch eine Presseinformation einer Wiener Agentur, die einen VIP-Escortservice anbot, unter anderem die Möglichkeit eines Besuches in der Spanischen Hofreitschule offerierte, brachte Frau Generaldirektorin schnell auf die Palme. Schlecht für besagte Agentur und gut für eine Anwaltskanzlei, die nämlich im Mandantenauftrag untersagte, eine derartige Werbung zu platzieren. Erinnert so ein wenig an ein bekanntes Hotel in Wien, dass ein bestimmtes Produkt hat schützten lassen und andere Anbieter, Konditoreien oder ähnliches Gewerbe, abmahnen lässt, wenn mit dem geschützten Produkt geworben wird. Hier wurde eindeutig mit Kanonen auf Spatzen geschossen, denn ein vernünftiges Gespräch hätte wesentlich mehr bewirkt. In Managerkreisen sind solche Handlungen vielleicht üblich, eine gute Unternehmerin hingegen hätte mehr Feingefühl bewiesen, zumal man mit der großen Gesellschaft Wien sozusagen auf Du und Du steht.
Und kommt nun auch noch der Staatsanwalt auf den Plan? Mit einer E-Mail stellte die IG Pferdeschutz einen Strafantrag wegen Tierquälerei gegen die Spanische Hofreitschule, vertreten durch die Geschäftsführer: Elisabeth Gürtler und Erwin Klissenbauer sowie gegen den Leiter der Reitbahn Ernst Bachinger. In der Begründung heißt es:
Am 28. Juni 2010 war auf der Internetseite der Bundesrat-Partei "Freiheitliche Partei Österreichs" ein Bericht von Frau Unterreiner ("Die Spanische Hofreitschule krankt") zu lesen, der unter anderem gewisse Misstande in der Spanischen Hofreitschule aufzeigt, Zitat wie folgt: "Die Spanische Hofreitschule befindet sich in einer tiefen Krise. Fachleute und Freunde der Spanischen Hofreitschule berichten von Maulbluten der Pferde, von Lahmheit ..."
Die Geschäftsführung, wie oben genannt, der Spanischen Hofreitschule und der Leiter der Reitbahn sind für das Wohlergehen der Pferde, für die ordnungsgemässe Behandlung der ihnen anvertrauten Tiere in jeder Beziehung verantwortlich. Daher ist es nicht hinzunehmen, dass die Besucher und die Öffentlichkeit die Tierquälerei in Form von blutigen Pferdemäuler und von lahmen Pferden hinnehmen muss. Daher sind von der Staatsanwalschaft Wien die Vorwürfe im Detail zu prüfen, gegebenfalls durch die Heranziehung des Amts-Veterinär der Stadt Wien.
In einer weiteren E-Mail der IG Pferdeschutz wurde sogar der Vorwurf von Doping auf Tourneen und bei Vorführungen erhoben.
Das Paket mit Vorwürfen und Mißständen in Sachen Spanische Hofreitschule ist bis zum Rand voll. Wurden in früheren Zeiten die Weißen Pferde aus Wien in einem Atemzug mit anspruchsvollen Vorführungen gebracht, sind die heutigen Schlagzeilen im Großen und Ganzen eher das Gegenteil. Ist es Verbissenheit der Generaldirektorin Gürtler, etwas zu beweisen wollen, was nicht machbar ist, oder ob kommt tatsächlich am Ende des Tunnels der rühmliche Lichtblick? Besser wäre die letzte Variante, doch schwer zu glauben. Wie gesagt, ein Hotel ist ein Hotel und die Spanischen Hofreitschule ist eine ganz andere Größenordnung, an der sich Gürtler zu messen hat - alleine schon in Hinsicht auf ihr üppiges Jahresgehalt. Stilvoller wäre ein Ehrensold von 1 € pro Jahr, denn am Hungertuche wird Gürtler nicht nagen.
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