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Die Weißen Pferde und die Roten Zahlen
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Dicke Luft in der Spanischen Hofreitschule / Zwei Oberbereiter wurden freigestellt
Elisabeth Gürtler-Mauthner, Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule, steht in der Kritik. |
Wien/AUT. “Wien, Wien, nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein ...”, ist ein bekanntes Lied, komponiert von Rudolf Sieczynski (1879-1952), das oft mit dem Stichwort Wien in Verbindung gebracht wird. Wien, österreichische Bundeshauptstadt und ehemaliges Zentrum des Heiligen Römischen Reiches, hat viel an historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu bieten, unter anderem auch die Spanische Hofreitschule. Gegründet 1572, einstiges Prestigeobjekt von Kaiserlichen Hoheiten, heutige Adresse: Hofburg Wien. Seit Jahrzehnten ein Begriff klassischer Pferdeausbildung, weltberühmt die Auftritte der Weißen Hengste, die Lipizzaner. Aktuell werden wieder Schlagzeilen geschrieben, allerdings keine positiven.
2001 wurde auf Grund chronischer Geldmittel die Spanische Hofreitschule sowie das dazu gehörende Bundesgestüt Piber (Steiermark) aus der öffentlichen Verwaltung ausgegliedert, entstanden ist auf der Basis des “Spanischen Hofreitschule-Gesetzes” ein “normales Unternehmen”, rechtlich und wirtschaftlich verselbstständigt. Auf gut deutsch: Öffentliche Gelder fließen nicht mehr, jeder Cent muss erwirtschaftet werden.
Laut Bundesrecht (BGBl. I Nr. 115/2000) wurde eine gesetzliche Verpflichtung - die dauerhafte Erhaltung und traditionsgemäße Zucht der Pferderasse „Lipizzaner“, Erhaltung der Tradition und der Hohen Schule der klassischen Reitkunst, zur traditionsgemäßen Nutzung der betreffenden Teile der Hofburg und des Bundesgestütes Piber und damit zur Wahrung des öffentlichen Interesses am dadurch repräsentierten österreichischen und internationalen Kulturgut - verankert.
Für die neue Führungsspitze seit dem 1. Dezember 2007 - Elisabeth Gürtler-Mauthner (u.a. Besitzerin des Wiener Hotels Sacher, wird auch als “Grande Dame der österreichischen Gesellschaft” gesehen, und Erwin Klissenbauer als kaufmännischer Leiter - keine leichte Aufgabe, denn seit etlichen Jahren werden in der “Spanischen” rote Zahlen geschrieben. Für das neue Geschäftsführerduo Gürtler/Klissenbauer folgte im Januar 2008 schnell die Ernüchterung, nachdem der Rechnungshof des Alpenlandes das damalige Defizit in Millionenhöhe kritisierte. Dass Gürtler etwas von Handlungsbedarf verstand, wurde im Verkauf eines 800.000 Euro teuren Grundstücks deutlich, das Defizit konnte etwas verringert werden.
Zu den weiteren Einsparmaßnahmen wurden die Gehälter der Bereiter moniert. 2006 betrug das durchschnittliche Grundgehalt eines Oberbereiters 40.000 Euro, zuzüglich Zulagen von etwa 70 Prozent sowie für den Rechnungshof nicht nachvollziehbare Tourneegelder im fast fünfstelligen Bereich. Dass das Führungsgespann Gürtler/Klissenbauer je ein Jahresgehalt im sechsstelligen Bereich beziehen soll, darüber wird nur hinter vorgehaltener Hand spekuliert. Es gab tatsächlich Liebhaber der Spanischen Hofreitschule, die im guten Glauben waren, dass Gürtler und Klissenbauer diesen Job ehrenamtlich ausüben.
Auch 2009 wurde trotz radikaler Kostenreduzierung ein Minus von 1 Million Euro ausgewiesen. Die Kritik am Führungsstil der Kommerzialrätin Gürtler, einerseits auf der politischen Ebene und andererseits durch massiven Druck der Öffentlichkeit, erreichte auch die Führungsriege des Landwirtschaftsministeriums. Die Vorwürfe im Einzelnen: die Jahresaufführungen wurden auf 76 verdoppelt, keine Ruhepausen für Junghengste. Die Folge waren laut Insider gesundheitliche Probleme der Pferde.
Der Schweizer Dressurausbilder Bruno Rennhard stellte fest: „Es ist erschreckend, in welch miserablem Zustand die Vorführungen sind. Die Qualität der Vorführungen hat sich eindeutig verschlechtert.”
Deutlich wurde Günter Zemann, Vize-Präsident des Freundesvereins der Hofreitschule: „Die Schule verkommt zur reinen Touristen-Attraktion.“
Auch eine Schließung bzw. die Verlegung des Bundesgestüt Piber nach Wien ist ein Spekulationsgrund. Eine derartige Umsetzung wäre für das Bundesland Steiermark nicht nur eine Horrorvision, sondern auch das Ende einer qualitätsvollen Zucht der Weißen Pferde. Allerdings ließ der zweite Geschäftsführer Klissenbauer verlauten, dass eine Schließung von Piber zu keiner Zeit ein Thema war, auch wenn Piber der Minus-Betrieb im Gesamtkonstrukt ist. Pferdebetriebe ticken nun mal ein wenig anders als “normale Unternehmen”.
Personal freigestellt
Die Dienstfreistellung von zwei Oberbereiter sorgte für einige Spekulationen beim Personal in der Hofreitschule. Ein nicht genannter Bereiter brachte es gegenüber PferdeSportZeitung.de auf den Punkt: “Wenn solche Aktionen durchgehen, kann man sich den weiteren Werdegang vorstellen. Es wird eine Mobbingsituation entstehen, weil jeder seinen Job behalten will. Die Kritik, dass wir zu viel Geld verdienen, kann vielleicht zum Sparkonzept der Geschäftsführung gehören, nach dem Motto: Entweder für weniger Geld zu arbeiten oder Kündigung.” Die Unsicherheit geistert seit Monaten durch die alten Gemäuer der hippologischen Institution, die weltweit eine hohe Reputation genießt.
Eigentlich müssten die Wiener Stadtväter auf die Barrikaden gehen, denn eine effiziente Werbung als die “Spanische” kann es doch nicht geben. Man stelle sich vor, die Vorführungen der Weißen Hengste verkommen irgendwann zu einer drittklassigen Pferdeshow, wo nur der Kommerz zählt, wo die Gesundheit und das Wohlergehen der Pferde auf der Strecke bleiben - und die Krönung wäre nach jeder Vorstellung so was wie Ponyreiten auf Lipizzaner, pro Runde für 1,50 Euro, na Bravo. Die Kaiserlichen Hoheiten würden sich im Grabe umdrehen und mit Blitz und Donner dem unverständlichen Treiben ein Ende setzen - hätten sie dazu die Möglichkeit. Nur schade, dass die Weißen Pferde nicht den Stellenwert der “Feinen Kunst” haben, dann würden reichlich Subventionen fließen.
“Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule”
Fassungslosigkeit bei etwa 40 Briefunterzeichnern des Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule - übrigens kein Verein oder ähnliches, sondern ein Zusammenschluss von knapp 100 Liebhabern der Hofreitschule. Unter der Federführung von Josef Offenmüller (Wien) wurde ein Offener Brief an den Umweltminister Niki Berlakovich geschrieben, der Wortlaut wie nachstehend:
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