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ZooGeschichte[n] – Wilde Tiere für Europa

Eines der seltenen Exponate, die im Westfälischen Pferdemuseum Münster ausgestellt sind: ein ausgestorbenes Quagga.
Foto: www.pferdemuseum.de

 

Münster. Ein ausgestorbenes Quagga-Zebra, eine Pferdehalsband mit GPS-Sender und ein Hollywood-Oscar von 1960 sind nur einige der Highlights aus den ZooGeschichte[n]. Wilde Tiere für Europa: Ausstellungsdauer im Westfälischen Pferdemuseum vom 11.02. bis 25.07.2010. Eine Ausstellung des Westfälischen Pferdemuseums Münster und des LWL-Museumsamts für Westfalen in Kooperation mit dem Allwetterzoo Münster.

Zoologische Gärten sind auf der ganzen Welt ein Publikumsmagnet. In vielen Ländern gehört ein Zoobesuch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen: Sechshundert Millionen Besucher jährlich registrierte die weltweite Vereinigung aller Zoos und Aquarien (WAZA) in den vergangenen Jahren. Was aber ist das Geheimnis des wilden Tieres, warum wecken Zoos ein derart großes öffentliches Interesse?

Die Ausstellung zeichnet in sieben Stationen die europäische Zoo-Geschichte nach – von den Gründungen und Zielsetzungen der ersten zoologischen Gärten bis hin zu den Ansprüchen und Aufgaben heutiger Zoos. Ausgestellt werden Exponate von über 40 Leihgebern aus sieben Ländern, darunter das Naturhistorische Museum in Paris, die Zoological Society of London, der Tiergarten Schönbrunn in Wien, das Haus der Geschichte in Bonn sowie die Zoos in Prag, Zürich und Barcelona.

Von der Menagerie zum wissenschaftlichen zoologischen Garten

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Europa von einer regelrechten Zoo-Welle erfasst: Vor dem Hintergrund eines zunehmend wissenschaftlichen Interesses wurden vielerorts Zoos gegründet, um Studien am lebenden Tier durchführen zu können.

Den ältesten heute noch bestehenden Zoo der Welt findet man in Wien: Dort errichte Franz I. 1752 den Schönbrunner Tiergarten. Der 1802 erschienene Katalog über die vorhandenen Tiere der Schönbrunner Menagerie ist das älteste Exponat der Ausstellung. Historische Bücher aus dem Jahr 1804 und 1854 zeigen die Ankunft der ersten Tiere in der Menagerie von Paris.

Zoos in Westfalen

Vom altehrwürdigen münsterschen Zoo an der Promenade bis zu den Neugründungen nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Zoos in Westfalen sind beispielhaft. Sie spiegeln die Vielfalt und die gesellschaftliche Entwicklung der letzten 135 Jahre in Westfalen. Professor Landois, der Gründer des münsterschen Zoos war auch ein oft schalkhaftes „Marketing-Genie“.  Mit kuriosen Ankündigungen, etwa der in der Ausstellung zu sehenden „Ziegengans“ lockte er gutgläubige Besucher zu den Eintrittskassen. Mit seinem Mikroskop und einem von ihm beschriebenen „siebenfarbigen Maulwurf“ wird auch die wissenschaftliche Seite Landois gezeigt.

Berühmte Zootiere

Schon lange vor der „Knutmanie“ beherbergte nahezu jeder Zoo ein besonderes Tier, das im Fokus der Öffentlichkeit stand. Unabhängig davon, ob Zootiere für regionale oder internationale Aufmerksamkeit sorgen: Manche Zootiere haben die Magie des Besonderen und werden zum Publikumsliebling.

Der weltberühmte Gorilla „Snowflake“ oder der tierische NDR-Fernsehstar „Antje“ sind nur zwei Beispiele von berühmten Zoobewohnern, die weltweit Schlagzeilen machten.

Ein wichtiges Exponat in der Ausstellung ist das letzte Exemplar des ausgestorbenen Quagga-Zebras, das 1883 im Amsterdamer Zoo starb und dann präpariert wurde. Zu sehen sind auch bisher noch nie ausgestellte Objekte, die die erste Giraffe in einem europäischen Zoo darstellen. Sie löste 1827 eine „Giraffenmanie“ aus, die sich in bedruckten Handschuhen und sogar in einem Bügeleisen mit Giraffenmotiv widerspiegelt.

Wie kommt das wilde Tier in den Zoo? Fangmethoden und Tiertransporte

Tierfang und Tiertransporte sind eng mit der Geschichte der Zoos verbunden. Waren es früher meist diplomatische Geschenke von Herrschern, entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert ein blühendes Geschäft mit dem Handel von Tieren. Professionelle Tierfänger sorgten dafür, dass unzählige exotische Tiere ihren Weg in die Zoos fanden. In der Ausstellung gewährt die Inszenierung eines Tierfänger-Camps Einblicke in die Methoden der Jäger und zeigt die Transportbedingungen von Zootieren. Gezeigt werden das „Preis-Verzeichnis des jetzigen Thier-Vorrathes“ der Firma Hagenbeck von 1899 und die kleinen Vogelkäfige für die Kiepe mit denen der Tierhändler Ludwig Ruhe sein Tierhandel-Imperium begründete.

Berufsfeld Zoo

Tierpfleger, Tierarzt und Zoodirektor sind bekannte Persönlichkeiten in jedem Zoo. Doch welche Ausbildung haben sie, wie gestaltet sich ihre tägliche Arbeit und wer arbeitet noch alles im Zoo? Ein Unternehmen stellt sich vor.

Wer kennt ihn nicht und seine Tiersendung “Ein Platz für Tiere”: Prof. Dr. Bernhard Grzimek.
Foto: www.pferdemuseum.de

 

Einer der prominentesten Zoodirektoren war Dr. Bernhard Grzimek, der für seinen Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ von 1959 den ersten Oscar für einen deutschen Film der Nachkriegszeit erhielt. Der Original-Oscar“ in der „Grzimek-Installation“ verströmt einen Hauch von Hollywood Glamour.

Zooarchitektur

Vom Gitterkäfig zur Freianlage, vom Graben zum Elektrogras, von Betonbau zum Landschaftsgehege: Die Zooarchitektur hat in den letzten 200 Jahren zahlreiche Umbrüche und Veränderungen erlebt. Ein wichtiger Einschnitt ist mit dem Namen Carl Hagenbeck verbunden: Er entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts die erste gitterlose Tierhaltung und revolutionierte damit die Zoogeschichte nachhaltig.

Die Ausstellung zeigt aber auch aktuelle Trends: Vom Tropenhaus bis zur Ökosystemhalle.

Der Besucher kann selber einmal in einen „Raubtierkäfig“ treten und die Welt aus der „anderen“ Perspektive betrachten. Gezeigt werden das Original-Gitter des Raubtierkäfigs aus einem Innenkäfig des alten Raubtierhauses im Ruhr Zoo, Gelsenkirchen.

Der Zoo heute

Jeder kennt einen Zoo und seine Bewohner. Doch wie wird über die Haltung der Tiere entschieden und was benötigt ein Zoo für den täglichen Betrieb? Die Zoogeschichten werfen einen Blick hinter die Kulissen des Betriebs Zoo.

Das GPS-Halsband, mit dem ein zoogeborenes Przwalski-Pferd in der Mongolei wieder ausgewildert wurde, belegt die verantwortungsvolle Aufgabe moderner Zoos bei der Erhaltungszucht von bedrohten Tierarten.

Das Ausstellungskino

Filmvorführungen über den alten münsterschen Zoo (s.u.), Tierfang in Afrika und die Besucherlieblinge „Knut“, „Antje“ und „Ebun“ runden die Themen der Ausstellung ab.

Das Buch zur Ausstellung

Zoos sind Publikumsmagneten. Doch seit wann gibt es den Zoo? Das Buch zur Ausstellung gibt Einblicke in die Geschichte der zoologischen Gärten – besonders in Westfalen. Woher kamen die Tiere und wie reisten sie? Wie entwickelte sich die Zoo-Architektur? Kennen Sie „Jumbo“ – den berühmtesten Elefanten aller Zeiten? Welche Ziele und Aufgaben haben Zoos heute? Wir schauen hinter die Kulissen des Arbeitsplatzes Zoo. Und schließlich kommt das Thema Artenschutz für das neue Selbstverständnis der Zoos nicht zu kurz.

ZooGeschichte[n]. Wilde Tiere für Europa

  • Herausgeberin: Verena Burhenne, LWL-Museumsamt, Münster 2010
  • 172 Seiten, 176 Abbildungen, überwiegend in Farbe
  • ISBN 978-3-927204-71-3
  • Preis 13,00 Euro
  • Bezug: Im Museumsshop des Westfälischen Pferdemuseums, im LWL-Museumsamt für Westfalen oder im Buchhandel.

Der Film zur Ausstellung

Es begann mit einer Geflügelausstellung, einigen einheimischen Tieren, einem ersten Affenhaus und einem Bärenzwinger. Das waren die Attraktionen des alten münsterschen Zoos, als er im Juni 1875 seine Tore öffnete. Geschichten über die Gründung und Entwicklung des beliebten Ausflugsziels in Münster erzählt der Film:

Ein Elefant, eine Moschee und ein unwieser Professor

  • Geschichten aus Münsters altem Zoo
  • Spielzeit ca. 30 Minuten (Hauptfilm und ein Bonusfilm), Schwarz-Weiß und Farbe,
  • DVD, Preis 14,90 Euro.
  • Bezug: Im Museumsshop des Westfälischen Pferdemuseums, im LWL-Medienzentrum für Westfalen oder im Buchhandel.

Die Ausstellung ist vom 11. Februar bis 25. Juli 2010 im Westfälischen Pferdemuseum im Allwetterzoo zu sehen. Das Museum ist täglich von 9 bis 16 Uhr, im März bis 17 Uhr, ab April bis 18 Uhr geöffnet.

Danach wandert die Ausstellung zu sieben weiteren Standorten.

Weitere Informationen im Internet: www.pferdemuseum.de

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22. Mai 2012

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