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Fachtagung Reitplatzbau: Trotz Deutschlandspiel – Volles Haus mit internationaler Beteiligung

Rechtliche Grauzonen?

Sinsteden. Zum ersten Mal konnte eine hippologische Fachtagung im Landwirtschaftsmuseum des Kulturzentrums Sinsteden des Rhein Kreises Neuss sich international nennen, waren der Einladung der öffentlich bestellten und vereidigte Sachverständigen für Zucht und Haltung von Pferden, Reit-, Fahr- und Turniersport bei der LWK NRW und für Reitplatzbau bei der IHK zu Köln zur Fachtagung I Reitplatzbau am 18. Juni 2010 nicht nur Gäste aus Deutschland, sondern auch aus Östereich und der Schweiz gefolgt.

Sechs Referenten beleuchteten das disziplinübergreifende Thema. Im Einführungsreferath – „Der perfekte Reitboden, wie soll er sein?“ - vom im Vielseitigkeitssport international erfolgreichen Dipl. Ing. agr. und Pferdewirt Jan Büsch, Bonn, wurde klar, dass hier die eierlegende Wollmichsau gefragt ist. Tritt- und rutschfest, dabei elastisch und nicht zu stumpf, staubfrei und möglichst gleichbleibend, dabei unterschiedlich für Turnier, Training und Disziplin - so soll der ideale Boden sein.

Wie schwierig es ist, dieser Forderung nachzukommen, beschrieb der Reitplatzbauer Peter Wernke („Der grüne Sand“) aus Holdorf . Fast unmöglich wird das Ganze, wenn man die aktuelle Rechtssprechung einhalten will, die bisher bei keinem Reitplatz in Deutschland berücksichtigt wurde. Mindestens 20.000 ha versiegelte Flächen plus Ausgleichsfläche müßte her, würde man allein in Deutschland dem EU Wasserhaushaltsgesetz Folge leisten. „Alles ist möglich- nichts erlaubt“, so die Überschrift seines Referats.

Wie groß die finanziellen Spielräume der einzelnen Pferdebetriebe sind und wie hoch das Budget für den Reitplatz sein kann, machte Uwe Karow vom Berufsverband der Berufsreiter klar. Mit bis zu 45 Euro pro Monat und Box kann der „perfekte“ Reitgrund die Einstaller belasten. Sein Rat, das Niveau der Reitplätze nicht zu hoch zu schrauben. Und wie schnell Kosten produziert werden können, stellte der völlig pferdefremde Heinz Jürgen Rühl vom Amt für Umweltschutz des Rhein Kreises Neuss in seinem Referat „Alter Reitboden- teure Entsorgung“ dar. Eine Mischung aus Sand, Pferdeäpfeln und synthetischer Zuschlagstoffe kann der Alptraum werden, wenn es um Entsorgung geht.

Die Kosten, die auf Reitstallbetreiber zukommen, können bei der Entsorgung durchaus höher sein als beim Einkauf der Wunschtretschicht. Vor dem Kauf sollte man schon direkt die Müllberatung aufsuchen. Ein bisher in der Diskussion um Zuschlagstoffe völlig vernachlässigter Aspekt wurde von einem Tagungsteilnehmer vorgetragen. Ihm ging es um die Kinder, denen man Tonnen um Tonnen belastetes Material hinterlässt, was völlig unnötig ist. Wie die vergangenen Jahrhunderte gezeigt haben, ist Reiten und sogar Reitkunst auch auf völlig natürlichen Böden möglich. Wie schwer es ist, alle Erkenntnisse in einem Regelwerk zusammenzufassen, wurde beim Vortrag von Prof. Bischoff (FH Erfurth), dem Vorsitzenden des FLL- Arbeitskreises Reitböden deutlich. Die FLL ist die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V,. die 2005 die Empfehlungen für Planung, Bau und Instandhaltung von Reitplätzen im Freien herausgab. Sein Vortrag „FLL- Stand der Technik“ zeigte, dass vieles der im Regelwerkfestgelegten Vorgaben von Fall zu Fall betrachtet werden muß.

Schwierig, wenn Parteien vor Gericht streiten. Und wie es mit der Haftung aussieht, erläuterte Michael Dyhr in seinem Vortrag „Wer haftet wenn ...“, dem seine praktischen Erfahrungen als Turnierrichter, Reiter, Parcourschef und Verbandsfunktionär bei seiner Tätigkeit als aufs Pferderecht spezialisierter Anwalt immer wieder zu Gute kommen. Das Fazit seines Beitrages. Haftung ja, aber auch die ist von Fall zu Fall zu betrachten, jenseits aller Regelwerke, die allerdings richtungweisend sein können.

Trotz laufenden Deutschlandspiels waren die Plätze bis zuletzt gefüllt. Einen besseren Beweis für die Qualität der Vortragenden hätte es kaum geben können.

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22. Mai 2012

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