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Infektiöse Anämie: Pferd musste eingeschläfert werden

Meschede. Das Veterinäramt des Hochsauerlandkreises teilt mit, dass in Sundern-Recklinghausen ein siebenjähriges Pferd wegen der ansteckenden Blutarmut der Einhufer eingeschläfert werden musste. Um den gesperrten Betrieb wird in einem Umkreis von einem Kilometer für mindestens drei Monate ein Sperrbezirk eingerichtet. Alle Einhufer im Sperrbezirk sind aufzustallen und dürfen ihre Bestände nicht verlassen. Darüber hinaus muss dort durch Blutproben der Gesundheitsstatus der Tiere festgestellt werden. Innerhalb des Sperrbezirks dürfen keine Turniere und andere Pferdeveranstaltungen stattfinden.

Jeder Halter von Einhufern im Sperrbezirk ist verpflichtet, die Anzahl und den Standort seiner Tiere dem Veterinäramt mitzuteilen. Das Veterinäramt weist darauf hin, dass unabhängig von einem Seuchengeschehen alle Pferdehalter ihre Haltung beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse anmelden müssen. Die Meldungen werden unter den Rufnummern 02961/94-3203 oder 02961/94-3202 entgegen genommen.

Es handelt sich um den ersten Fall der ansteckenden Blutarmut der Einhufer im Hochsauerlandkreis. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 27 Fälle festgestellt, die bisher höchste Anzahl. Eine wichtige Rolle spielten dabei Pferde aus Rumänien, die ohne die vorgeschriebenen Tiergesundheitsbescheinigungen eingeführt wurden.

Bei der ansteckenden Blutarmut der Einhufer handelt es sich um eine Viruskrankheit, die bei Pferden, Ponys, Eseln und Maultieren auftritt. Das klinische Erscheinungsbild ist gekennzeichnet durch Fieberschübe von wenigen Tagen und teilweise längeren, fieberfreien Intervallen. Während des Krankheitsverlaufes wird eine zunehmende Schwäche und Konditionsverlust festgestellt. Da infizierte Tiere lebenslang Virusträger bleiben, müssen sie eingeschläfert werden. Die ansteckende Blutarmut der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Eine Behandlung oder Impfung ist nicht möglich. Menschen sind nicht gefährdet.

Die Krankheit wird hauptsächlich durch große blutsaugende Insekten wie Bremsen und Wadenstecher übertragen. Da das Virus an den Insekten nur etwa 30 Minuten infektiös bleibt, wurde eine Übertragung durch Insekten über größere Entfernungen bislang nicht beobachtet. Eher selten ist auch die Übertragung durch den direkten Kontakt zwischen den Tieren.

Stichwort: Ansteckende Blutarmut der Einhufer

Die Equine infektiöse Anämie (equine infectious anemia, kurz EIA), auch als Infektiöse Anämie der Einhufer oder Ansteckende Blutarmut der Einhufer bzw. Pferde bezeichnet, ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Angehörige der Familie Equidae (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras) befallen kann. Andere Tierarten sowie Menschen sind nicht gefährdet.

Klinisches Bild (Symptome)

Die übliche Inkubationszeit beträgt je nach Quelle 1-3 Wochen oder 2-6 Wochen. Ausnahmen von 3 Tagen bis maximal 3 Monaten seien möglich.

Die Erkrankung kann innerhalb von 2-7 Wochen zum Tod des erkrankten Tieres führen. Das Krankheitsbild umfasst nur allgemeine, d.h. für die Erkrankung nur wenig spezifische Symptome, die ebenso bei anderen bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten sowie bei Herz-Kreislaufstörungen auftreten und je nach unterschiedener Verlaufsform (perakut, akut - auch septikämisch genannt -, chronisch oder inapparent - auch klinisch unauffällig oder subklinisch bezeichnet) unterschiedlich ausgeprägt sein können:

  • Fieber bis 41/42 Grad
  • Durst
  • Gerötete Augen mit wässrigem Ausfluss
  • Blasse (Folge des Hämoglobinmangels) und gelbe (Folge des freigesetzten Bilirubin - führt zu Gelbsucht - als Abbauprodukt des Häm-Anteils des Hämoglobins) Schleimhäute
  • Hämorrhagien in Form punktförmige Blutungen (Petechien) in den Lidbindehäuten und in den Schleimhäuten, besonders am Zungengrund, infolge der Thrombozytopenie
  • Konditionsverlust, Schwäche, Apathie, Depression, und damit verbunden häufiges Liegen infolge mangelnder Sauerstoffversorgung (Hypoxie) aufgrund der Anämie
  • Ödeme (= Wasseransammlungen im Gewebe) an Gliedmaßen und Bauch infolge Reduktion des kolloidosmotischen Drucks des Blutplasmas aufgrund der Anämie (Blut bindet nicht mehr ausreichend Wasser, so dass dieses in den Zellzwischenräumen austritt und sich im Gewebe sammelt)
  • Aborte
  • Unfruchtbarkeit
  • Unkordinierte Bewegungen (Ataxie)
  • Kolik
  • Appetitlosigkeit (Anorexie) bis hin zur Futterverweigerung, Gewichtsverlust
  • Blut in den Pferdeäpfeln
  • Herzrasen (Tychokardie) infolge der Anämie

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22. Mai 2012

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