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Kommentar: Bald Sicherheitskappe zum Reitfrack?
Messe: Spoga Horse erfolgreicher denn je, aber …
Köln. Die Spoga Horse schloss am letzten Dienstag nach drei Messetagen hoch zufrieden ihre Pforten. Aussteller- und Besucherplus, so das Fazit der Messeleitung. Deutschlands Pferdesport scheint zu boomen. Dies scheint allerdings nur so, denn für den Erfolg der Messe scheint nicht unwesentlich das Ausland verantwortlich zu sein. Der Auslandanteil auf der Anbieterseite lag bei ca. 65 Prozent und bei 48 Prozent bei den Besuchern. Damit hat die Messe ihren internationalen Führungsanspruch ausgebaut, kann allerdings nicht als Spiegel des deutschen Pferdemarktes gesehen werden.
Zwei große Trends waren auszumachen: Sicherheit und Mode. Ob Reithelm, Reitweste oder Sicherheitsreithosen, fast jeder der Aussteller zeigte seine individuelle Produktpalette zu diesem Thema. Konkurrenz für die tradierten Reitsporthersteller kommt in Sachen Sicherheit aus anderen Sportarten, wo der Schutz der Gesundheit seit Jahrzehnten zur Standardausrüstung gehört, wie zum Beispiel Ski- oder Motorsport. So wie das Thema Sicherheit in den Pferdesportmarkt diffundiert, erobert das Thema Mode immer mehr Bereiche außerhalb des Pferdesports. Mode als Lifestyle fürs tägliche Leben präsentieren mittlerweile fast alle Aussteller. Ob Jacken, T-Shirts oder Schuhe, neben der Reittauglichkeit sollen die Produkte modisch und vielseitig einsetzbar sein.
Sicherheit im Frack
Lächelnd nahm man die seltenen Auftritte auf internationalen Abreiteplätzen von Alexander Mathias Rath auf dem Dreifachweltmeister Totilas (unter Ausbilder Edward Gal) mit Sicherheitskappe zur Kenntnis. Das Vertrauen in den vierbeinigen Crack schien offenbar nicht groß zu sein. Wenn dem so ist, dann war die Kappe sicherlich die richtige Entscheidung. Das Lächeln weicht einer gewissen Nachdenklichkeit, wenn Isabell Werth – zuletzt auf der Spoga - für die Sicherheitskappe auf dem Dressurviereck wirbt und das nicht in den unteren Klassen, sondern auch in den Königsklassen der Dressur in Kombination mit dem Frack.
Tradition hin und Tradition her, Sicherheit sollte Vorfahrt haben, dem muss man einfach zustimmen. Auf der Strecke bleibt hier allerdings die Diskussion um ein gut ausgebildetes Pferd mit Vertrauen, dass ein Dressurpferd in der Königsdisziplin ja eigentlich haben sollte. Gut Geritten bedeutet Sicherheit. Kontrolle über jede Faser des Körpers, Feinstabstimmung, ein Verstehen zwischen Mensch und Pferd, so der Anspruch. Die Realität sieht leider anders aus.
Aufgedrehte Pferde, die spätestens bei der Siegerehrung panisch herumspringen, Weltmeister, die mit schreiender Reiterin durchgehen oder Reiter, die Weltmeister gegen „sichere Kandidaten“ zur Siegerehrung austauschen. Trägt man der Realität Rechnung, so ist das neue Outfit von Kappe und Frack sicherlich die richtige Lösung, über die Sicherheitsweste könnte dann allerdings auch noch nachgedacht werden. Legt man die klassische Reiterei bei den Königsdisziplinen der Dressur zu Grunde, so stellt sich das Ganze als Irrweg dar. Die Krönung der Dressur sollte auch in entsprechender klassischer Aufmachung präsentiert werden, eine Demonstration eines gut ausgebildeten Pferdes, dem sein Reiter vertraut. Es ist noch nicht so lange her, wo in Aachen der neu gekürte Europameister bei der Siegerrunde nach demonstrierten Dressurlektionen über kleine Sprünge das Stadion verließ.
Die von Isabell Werth angestrebte Vorbildfunktion sollte sicherlich von Spitzenreitern wahrgenommen werden. Gottseidank hört nun zum Beispiel der Wahnsinn auf die Youngsters mit Zylinder strampeln zu lassen- zumindest der Zylinder fällt weg. Das ist gut und wünschenswert. Gerade von einer Isabell Werth aber, die jedes ihrer Pferde selbst ausbildet und in der Siegerehrung genauso wie im Dressurviereck beherrscht, muss nicht auf Druck von Industrie und FEI die Grundprinzipien der Reiterei über Bord geworfen werden. Früher musste man sich die Sporen verdienen, so sollte es auch mit Frack und Zylinder bleiben, eine Demo der Abgestimmtheit von Pferd und Reiter in allen Situationen.
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