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Passend zur närrischen Zeit: Totilas machts möglich - oder auch nicht
Kommentar: Selbstverständnis ade - Deutscher Bundestrainer macht sich überflüssig
Satirisch in den Mund gelegt: „Dumm gelaufen, mein lieber Holger, dass mein Verband mich zurückgepfiffen hat .. ich wäre nach erfolgreicher Olympia-Mission, gesehen aus meiner Sicht, gerne dein Nachfolger bei der deutschen FN geworden.“ „Ja, Sjef, du hast es treffend gesagt. Du hast das Zeug zum Bundestrainer, weil du mit feinsten Methoden arbeitest, du wärst hier in Deutschland gut aufgehoben, denn viele aus der zweiten Reihe abwärts träumen von einer großen und ruhmvollen Karriere … und Kohle ist in diesem Land genug unterwegs, es wäre für dich ein Job auf Lebenszeit.“ Ob so ein Gespräch zwischen Sjef Janssen (links) und Holger Schmezer denkbar wäre, bleibt dahin gestellt. Fotomontage: Raimund Hesse
Es ist noch nicht lange her, da wurden die Trainingsmethoden der holländischen Nachbarn geradezu verdammt. Tierschutzrelevanz war das Stichwort, wenn ein holländisches Paar mal wieder auf dem Treppchen stand. Ob Rollkur oder die Ausbildung mit „Schuhen“ an der Longe, mit abschätzigem Hochmut wurde über das Reitkönnen der Nachbarnation hergezogen.
Photografen und Kamerateams wurden auf Anky angesetzt, um der Welt zu demonstrieren, wie grausam die Pferde malträtiert wurden und eigentlich schon seit Jahren hätten kaputt sein müssen. Dann betrat „Wunderhengst“ Totilas das Sandparkett und siegte am laufenden Band - unter Ausbilder Edward Gal, immerhin brachte das Paar von den Weltreiterspielen 2010 in Kentuckxy (USA) einmal Mannschaftsgold und zwei Mal Einzelgold mit, die internationale Dressurszene staunte nur noch, Deutschland inbegriffe, man erblasste.
Die über Jahrzehnte unangefochtene Dressurnation Deutschland bescheinigte dem aufgehenden Stern künstlich dressierte Bewegungsabläufe und das Fehlen jeglicher klassischen Ausbildung. Die Richter sahen dies offenbar anders und setzten Totilas immer wieder unangefochten auf Platz Eins.
Mit dem Deal des Jahres 2010, bei dem das deutsche Duo Linsenhoff/Schockemöhle Totilas für einen bisher noch nicht gezahlten Preis in Millionenhöhe ein Dressurpferd erwarben, verstummten die Kritiker und ein „Wunderpferd war oh Wunder“ geboren. Er sollte es nun richten und Deutschland wieder zur Weltführung auf dem Viereck verhelfen - nämlich mit Linsenhoffs Stiefsohn Matthias Rath. Ein Traum, der schnell zum Albtraum wurde, denkt man nur an die Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Rotterdam - die Goldmedaillen vor den Augen, sie verblassten nach den Prüfungen, es wurde nur Silber.
Nun ist ein Reiter ohne Pferd nur ein Fussgänger und ein Wunderpferd ohne den passenden Reiter nur ein Pferd. Demütig wird man auf dem Pferd, ein Lieblingssatz des gerade verstorbenen Hans Heinrich Isenbarth, den er immer wieder benutzte, um das Besondere unseres Sportes darzustellen. Im Falle „Totilas“ wurde die Richtigkeit dieser hippologischen Binsenweisheit wieder einmal betätigt. Gottseidank sagen die Pferdeleute mit Horsemenship. Geld kann viel regieren, nicht ein Pferd.
Die Beteiligten sahen dies anders und wollten nun zum Pferd den vermeintlich passenden Trainer einkaufen, den Meistermacher der Holländer, den Ehemann von Anky van Grunsven, Sjef Janssen. Sie haben ihre Lektion offenbar immer noch nicht gelernt. Nur richtiges Reiten lässt Pferde erstrahlen. Dies sollte zumindest unser Bundestrainer Holger Schmezer wissen. Der allerdings kommentiert den Vorfall laut der Homepage der Fachzeitschrift St. Georg wie folgt: „Das Pferd ist holländisch gezogen, ist holländisch ausgebildet worden und hat holländisch gewonnen.“ Er könne mit dem Gedanken leben, dass der Bundestrainer einer anderen Nation einen deutschen Reiter unterstütze, „falls die Ausbildung pferdegerecht und erfolgreich“ sei.
Frage ist erlaubt: Wozu wird ein Bundestrainer Dressur überhaupt gebraucht?
Schade eigentlich, dass er jetzt kurz vor seinem Ruhestand die Katze aus dem Sack lässt, indem er seine eigene Überflüssigkeit beschreibt. Ob man in Warendorf, hier in Personalunion der demnächst scheidende DOKR-Geschäftsführer Reinhard Wendt oder sein Nachfolger, der ehemalige Voltigierer Dennis Peiler, die Meinung des Bundestrainers teilt, ist total unbekannt. Wohlmöglich ist die Not in Hinblick auf olympisches Gold 2012 in der Warendorfer Führungsriege so groß, dass man einen holländischen Trainer „akzeptiert“ - nur hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Jener Wirt, in persona der niederländische Sportverband Koninklijke Nederlandse Hippische Sportfederatie (KNHS), stoppte den vorwitzigen Gedanken per Order. Laut KNHS-Pressesprecher Jacob Melissen heißt es nun: „Nach einer Beratung mit der Holländischen Reiterlichen Vereinigung, hat der Bundestrainer Sjef Janssen entschieden, Matthias Alexander Rath bis zu den Olympischen Spielen nicht zu trainieren."
Was für eine peinliche Nummer, zu Zeiten des legendären Willi Schultheis, Bundestrainer Dressur von 1974-1979, wäre so ein Gedanke mehr als frevelhaft. Schultheis hätte allen Vorwitzigen schon gezeigt, wo der Hufschlag beginnt und endet. Leider sind die Zeiten des Schülers von Otto Lörke schon lange vorbei, die nachfolgenden Bundestrainer wuchsen eigentlich nicht so richtig über sich heraus. Und dabei wurden/werden sie doch gar nicht so schlecht bezahlt - unter anderem aus öffentlichen Mitteln.
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