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KOMMENTAR: Die Stars der Soers - Janne Friderike Meyer und Alexander Mathias Rath

Die „T“-Kollektion beim CHIO. Dieser Schnappschuss könnte entweder mit Kurs-Sturz oder SommerSchlussVerkauf zu verstehen sein.
Foto: Carl F. Cactus

 

Aachen. Unterschiedlicher könnten sie gar nicht sein, Janne (30) und Alexander (26), oder Alexander Mathias oder Herr Rath oder gar Linsenhoff. Beide sind jung, beide kommen aus Pferdefamilien und dennoch repräsentieren sie Entwurf und Gegenentwurf.

Janne, die mit 20 ihren Turnierstall eröffnete und sich dem Pferdegeschäft verschreibt, arbeitet mit ihren Pferden - und das seit Jahren. Genau das war beim Sieg im großen Preis das Erfolgsrezept, ein eingespieltes Team von Pferd und Reiter, was sich freut, und sich freut über das Erarbeitete. Natürlich bekommt sie Unterstützung. Unterstützung  einer bodenständigen und pferdeorientierten Familie, von Sponsoren und natürlich durch ihren Trainer. Die bleiben aber alle im Hintergrund und freuen sich mit Janne. Im Mittelpunkt stehen Pferd und Reiterin und das kommt an.

Ganz anders der Tross um Alexander Mathias Rath. Hier wird aufgeboten was möglich ist. Ein fertiger Wunderhengst mit Legendencharakter, der professionell in der Sylter Sansibar vermarktet wird. Geld soll er bringen, so das erklärte Ziel. Stiefmutter, Vater und Schockemöhle plus Bundestrainer rücken an und sind Teil der Inszenierung, bei der alle brav mitmachen, der Veranstalter, das Fernsehen. Und wen wundert’s? Sogar die pferdefremde Presse, denn sie hört ja nichts anderes und verlässt sich auf den Buschfunk, der gewaltig trommelt, und das sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und wenn das Wunder dann ausbleibt? Ja, dann war’s eben nur ein Pferd und das muss schließlich auch mit Höchstnoten bedacht werden, Höchstnoten, die nicht immer nachvollziehbar sind, denn ein Wunderpferd muss ja ein solches bleiben.  

Wo bleibt eigentlich bei der ganzen Sache der Herr Rath. Ach ja, er war der Reiter, der sich nun damit schmückt, neben seiner Reiterei eines Wunderpferdes nun auch noch die Bachelorprüfung bestanden und sein Studium abgeschlossen hat - und das mit jungstrebsamen 26 Jahren. Armer Alexander Mathias. Die Älteren von uns können sich noch an selbst ausgebildete und erfolgreich präsentierte Pferde erinnern, deren Reiter einer geregelten Arbeit nachgingen und auch noch einen selbsterarbeiteten Dr.-Titel hatten. Und eines wollen wir doch nicht vergessen. Der Dressurrappe wurde nicht von Vater und Sohn Rath ausgebildet, er ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit des Holländers Edward Gal, der Totilas im letzten Jahr zu dreifachen weltmeisterlichen Weihen brachte.

Und meines Erachtens bin ich mit dem Publikum im Aachener Dressurstadion einer Meinung, der Sieger hätte eigentlich Steffen Peters heißen müssen, aber das ist meine persönliche Meinung. Obwohl, sogar die vierfache Olympiasiegerin Nicole Uphoff, die im öffentlich-rechtlichen TV die Kürritte kommentierte, musste beim Ergebnis von Totilas/Rath auch erst einmal schlucken, aber sie war dann in ihrer Kommentierung nett und moderat.

Der frenetische Jubel des Aachener Publikums um Janne bestätigt, das Pferdesport immer noch faszinierend ist. Janne steht für das erarbeitete Miteinander von Pferd und Reiter und nicht für einen Jockey auf auswechselbarem Sportgerät. Jannes Philosophie macht Reiter nicht nur im Parcours, sondern auch auf dem Dressurviereck sympathisch.

Und den CHIO Aachen im Allgemeinen zu sehen, ist eine ganz andere Sache. Irgendwie hat man den Eindruck, dass die Pferde, Wunderpferde ausgenommen, nur noch notwendiges Beiwerk sind. Wichtiger ist die Präsentation von Bundes- und Landesministern, das Schaulaufen von Sportgrößen der Disziplinen Boxen, Hand- und Fussball und irgendwelchen Protagonisten von Show und Bühne. Tipp: Für den CHIO Aachen 2012 sollte man einen extra asphaltierten Catwalk neben den Grasflächen bauen, damit die High Heels der Schickimicki-Ladies nicht im popeligen Soerser Rasen versinken.

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21. Mai 2012

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