Letzte Beiträge
- Ulla Salzgeber verzichtet auf Deutsche Meisterschaft und Olympische Spiele (Montag, 21.05.2012 - 21:25)
- TV-Einschaltquoten: Deutsches Spring- und Dressurderby, Hamburg (Montag, 21.05.2012 - 08:42)
- München: Fesche Carabiniera toppt mit Eremo del Castegno die Konkurrenz (Sonntag, 20.05.2012 - 22:39)
- Pferd International München: Truppa vor Werth (Sonntag, 20.05.2012 - 19:19)
- Hamburger Derby: Holsteiner Kampf ums Blaue Band (Sonntag, 20.05.2012 - 19:17)
- CAN Schildau: Christoph Dieker gewinnt WM-Sichtung (Sonntag, 20.05.2012 - 19:16)
- Galopp: Erfolgreiches Saisondebüt von Danedream in Iffezheim (Sonntag, 20.05.2012 - 19:13)
- Hamburg: Hubertus Schmidt gewinnt Dressur-Derby (Sonntag, 20.05.2012 - 16:20)
- CVIJ** Stadl-Paura: RVV Schenkenberg dominiert Teamwettbewerb (Sonntag, 20.05.2012 - 16:18)
- Interview mit Isabell Werth: „Dressur bedeutet für mich Gymnastizieren und Erhalten!“ (Sonntag, 20.05.2012 - 14:28)
Kommentar zur aktuellen Reitsport-Krise: Der Tunnelblick
Aus sachverständiger Sicht …
Bergheim. Das Dilemma rund um den Pferdesport ist groß und bekommt in immer kürzeren Abständen neue Nahrung, die die Glaubwürdigkeit eines Sportes, der auf Vertrauen zwischen Mensch und Pferd basieren sollte, gegen Null gehen lässt. Dabei geht es nicht nur um Doping, dabei geht es um Grundpositionen, die unseren Sport in Frage stellen.
Netzwerk Pferdesport
Wer in und um den Pferdesport engagiert ist, ist in der Regel mit dem Pferdevirus infiziert. Es ist Passion, der Beruf und Hobby verschmelzen und zum Lebensinhalt werden lässt. Das gilt überwiegend für die Reiter, die Verbandsbeschäftigten, die „Pferdetierärzte“, Turnierrichter, Journalisten ... für fast alle der Szene. Engagement ist dabei kaum einem abzusprechen.
Engagement, das erst einmal aus der Faszination dieses Sportes geboren ist. Genau dies erklärt die Verflechtungen von Mäzenen, Tierärzten, Turnierrichtern und Verbandsmitgliedern, die alle nicht „auf einer Hochzeit reiten“ sondern im Job, Sattel, als Züchter oder Pferdebesitzer multipotent ihren Traum leben und damit jede Unabhängigkeit verlieren.
Gefangen im Tabu
Eng verknüpft ist dieses Lebensmodell mit dem Geldverdienen. Hier ist Erfolg gefragt. Erfolg mit dem Lebewesen Pferd. Und genau hier gibt es zum ersten Mal den Protestschrei von Pferdeliebhabern. Das Nutztier Pferd ist ein Tabu.
Sieht man das Ganze mal unter dem landwirtschaftlich betriebswirtschaftlichen Ansatz, so muss zum Geldverdienen Leistung ähnlich wie bei Kuh, Huhn und Schwein optimiert werden. Das wurde züchterisch konsequent umgesetzt. Auch in unserem Sport, der anders als vor 30 Jahren nicht mehr von Amateuren, die sich ihn leisten konnten, sondern von Profis, die davon leben , betrieben wird, passiert nichts anderes.
Um Geld zu verdienen, werden Cracks im Laufbandverfahren vergleichbar mit Hühnerbatterien produzieren und vermarktet. Produktionszeit ca. acht Jahre im arbeitsteiligen Verfahren mit Produktion, Aufzucht, 1. und 2. Veredlungsstufe. Wie sagte schon Paul Schockemöhle: „Ein Pferd ist auch nur ein Pferd“
Da man im Pferdesport die Ponyfarm nach außen verkauft, das Nutztier aber meist den Sport bestimmt , passen die vorgegebenen Regelungen nicht. Spitzenleistung an jedem Wochenende, das die Kassen füllt, kann nicht funktionieren, da auch Pferde nur eine begrenzte Laufleistung haben. Ohne Unterstützung geht da offenbar nichts und das als Business as usual.
Nur so lassen sich die Häufung der Dopingfälle aber auch die Statements unserer Aushängeschilder Beerbaum oder Werth erklären, die völlig ohne Not ihr Selbstverständnis über ihr Handeln gegen das gültige Reglement kundtun und den Traum vom „Märchen Pferdesport“ einstürzen lassen. Bestätigt wird diese These auch dadurch, dass wir in allen Dopingfällen der letzten Jahre immer die Substanzen finden, die zum Problem des jeweiligen Pferdes passen.
Alle Erklärungsversuche aus dem Land der Märchen und Sagen haben deshalb, werden sie offiziell anerkannt, genau zwei Effekte. Sie decken Verstöße und motivieren auch im Amateursport alles auszuschöpfen, was Leistung verbessert.
In der Landwirtschaft würde man nun optimieren und wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass der häufige Einsatz in begrenzter Zeit den größten Profit verspricht und das Unterstützung solange erlaubt ist, solange das Pferd dadurch keine Schmerzen und Leiden erfährt. Nun gibt es in der Landwirtschaft genaue Regelungen und Prüfverfahren.
Aber nicht nur diese sind unvollständig oder fehlen rund um unsere Nutzung des Pferdes, was auch fehlt, ist ein eindeutiges Bekenntnis zum Partner Pferd oder zum Nutztier. Die Crux: Ob im Sattel oder auf dem Fernsehschirm, der Partner Pferd macht den Sport aus. Für den, der davon leben muss, muss er allerdings zum Goldesel werden.
Wie groß der Druck ist, zeigt dass erfolgreiche Dopingärzte nicht etwas ihre Approbation verlieren oder zumindest aus der Szene ausgeschlossen werden, nein, sie werden weiter für die Turniercracks eingesetzt, weil sie es offenbar richten können.
Betr. FN: Kein Licht im Tunnel
Der Versuch des Verbandes sich zu befreien, muss scheitern, weil er vergleichbar mit einem Spinnennetz bei jedem Ausbruchsversuch an elastisch klebrigen Fäden des Netzwerkes hängen bleibt.
Geht es um Rechtsfragen rund um den Pferdesport, so werden in Deutschland öffentlich bestellte und vereidigte hippologische Sachverständige zu Fachfragen vom Gericht bestellt und gehört. Diese sind ihrem Eid auf Unabhängigkeit verpflichtet. Haben sie diese bei einem Fall nicht – auch das kommt vor, basiert deren Erfahrung natürlich auch auf Tätigkeiten rund ums Pferd - müssen sie ablehnen.
Werden Gebiete, zum Beispiel Fragen aus der Tiermedizin behandelt, müssen sie sich Fachleute dazuholen. Anders als alle bisher Beteiligten in Sachen Aufklärung, sind sie aufgrund ihrer permanenten unabhängigen Tätigkeit mit dem Instrumentarium unabhängig und damit manchmal auch unbequem zu agieren vertraut. Interessant ist, dass keiner der ca. 100 verfügbaren Sachverständigen in die Aufklärungsversuche des Verbandes involviert ist.
Über das Warum kann man nur spekulieren. Soll weiter im eigenen Saft geschmort werden oder kommen nur Richter auf die Idee, mit unabhängigem Know How Lösungen zu finden.
Info zur Autorin:
- Dr. Cornelia Dreyer-Rendelsmann ist promovierte Agrar-Ingenieurin mit dem Spezialgebiet Pferd. Sie wurde 1989 von der Landwirtschaftskammer Rheinland öffentlich bestellt und vereidigt für das Bestellungsgebiet Zucht und Haltung von Pferden, Reit- Fahr und Turniersport sowie 2008 von der IHK Köln öffentlich bestellt und vereidigt für das Bestellungsgebiet Reitplatzbau. Neben ihrer Sachverständigentätigkeit arbeitet sie als Fachjournalistin für Print und TV.
| < Zurück |
|---|


Beim Eintragungsfeld "NAME" reicht Ihr Vorname.
Ihre einzutragende E-Mail-Adresse wird nicht mit-veröffentlicht.
Wir weisen daraufhin, dass neben dem Eintragungsdatum und der Uhrzeit auch Ihre IP-Adresse gespeichert werden. Diese Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.
Bitte bleiben Sie sachlich. Wir behalten uns vor, beleidigende oder rechtsrelevante Texte zu kürzen bzw. zu entfernen.