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Kommentar zum "Sauberen Reitsport": Der Reiter staunt ... und die Basis wundert sich
Warendorf. Obwohl nur ca 11 % aller Verbandsmitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) Turniersport betreiben, werden dafür nach Schätzung des Dachverbandes Jahr für Jahr mehr als 50 % des Gesamthaushaltes ausgegeben. Der größte Posten entfällt dabei auf den Spitzensport, dem Aushängeschild der deutschen Reiterei. Das tut man gerne, denn Vorbilder sind notwendig, sie bringen die Exportartikel Pferdesport und -zucht nach vorne und machen kollektiv stolz. "Wir sind die goldenen Reiter" und "Reiten für Deutschland", das zieht. Über Jahrzehnte hat dies alles funktioniert.
Seit Olympia 2004 ist das anders. Gut sind wir immer noch, aber leider stört manchmal das Reglement ein wenig. Das neue Schreckgespenst, die Dopingkontrolle, die allen Erfolg kaputt macht, schwebt über Allem, zu Teil mit drastischen Konsequenzen. Müssen doch sogar Mannschaftsgoldmedaillien, das Ergebnis jahrelanger Mühsaal - eingepackt und zurückgeschickt werden.
Neue Chance, neues Glück verspricht man sich von Olympia 2008. Die Ausgaben fürs Unternehmen Gold steigen. Man will sicher sein, dass man clean zum Turnier der Turniere ins Reich der Goldenen Mitte unterwegs ist. Alle Pferde werden kontrolliert, und das ist offenbar nicht nur nötig, sondern auch teuer. Aber was macht das schon, wenn das Mittel zum Ziel führt, den erklärten sauberen Sport.
Alles clean, alles gut, so bricht man auf. Schon beim ersten Springen allerdings ist von clean nicht mehr viel übrig. Trotz des Code of Conduct der FEI, einem Profi-Team von Reitern und Pflegern, Tierärzten sowie einem Tross von Verantwortlichen - alle vom Steuerzahler und Verband bezahlt - , wird Cöster positiv getestet. Cornet Obolensky wird unter den Augen Vieler noch eben eine Spritze mit einer für Pferde nicht zugelassenen Substanz gespritzt, damit auch er um Gottes Willen nicht clean bleibt. Darüber wird dann auch noch Stillschweigen vereinbart, also Straftaten im Sinne des Tierschutzgesetzes vertuscht.
Die wirklichen Pferdefreunde wenden sich vom Sport mit Grauen ab. Identifikation damit ist nicht mehr möglich. Andere allerdings finden hier für schnell verdiente Kohle mit Tierschutzrelevanz ihre Bestätigung und Berechtigung.
Nun werden nicht etwa die vom Sport ausgeschlossen, die sich nicht an Vereinbarungen und das Reglement halten. Vielmehr muss noch mehr Geld her, im 7-stelligen Euro-Bereich kalkuliert, um eine "Polizei" zu etablieren, die demnächst mit den Übeltätern, ja was denn, ... tut?
Der einfache und billige Weg wäre, dass Pferde so gehalten und geritten werden, wie es sich gehört, fair nach dem geltenden Reglement und, dass nur die zum Sport zugelassen sind, die so handeln. Gäbe es dann weniger Medaillien, wäre das auch zu verschmerzen, denn die Freude wäre doppelt so groß, wenn die Nationalhymne ertönt und sich ALLE Pferdefreunde an einem fairen Sport erfreuen können, für den dann nebenbei viel mehr Geld zur Verfügung stünde.
Die Pferdesportler (Amateure genauso wie Profis) stehen unter Beobachtung einer zunehmend kritischer werdenden Öffentlichkeit. Sauberer und engagierter Reitsport gerät ins Zwielicht. Tierschützern gegenüber gehen langsam die Argumente aus, Leistungssport mit Pferden komplett zu unterbinden, da nicht tiergerecht. Öffentliche TV-Sender erhöhen den Druck auf die FN, es bahnt sich eine Situation analog zum Radsport an.
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