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FN/DOKR und die Hongkong-Affäre
Warendorf. Im Wortlaut das noch nicht gesendete WDR-Interview mit FN-Präsident zu Rantzau und das Gutachten (PDF-Datei) zum Vertuschungsskandal und Medikationsmissbrauch um den Hengst Cornet Obolensky. (Vorspanntext: Raimund Hesse)
(fn-press) Zum Hintergrund: Die Verantwortlichen der FN hatten im April den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) um die Benennung eines unabhängigen Gutachters gebeten, der die weitere Überprüfung und Bewertung aller relevanten Vorgänge bei den Olympischen Spielen 2008 durchführen sollte. Hierbei ging es auch um die Frage, inwieweit die verantwortlichen Funktionsträger ihrer Aufgabe und ihrer Verantwortung vor, während und nach den Olympischen Spielen gerecht geworden sind. Der DOSB benannte Dr. Dirk Rainer Martens (München), Mitglied des DIS (Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit) und CAS (Court of Arbitration for Sports).
Von Dennis Peiler, fn-press vom 21.08.2009: WDR-Interview des FN-Präsidenten Breido Graf zu Rantzau am 21. August 2009 (Sendedatum offen)
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat am 19. August eine Interviewanfrage des Westdeutschen Rundfunks (WDR) mit der Bitte um Beantwortung erhalten. Der FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau beantwortete die Fragen wie folgt:
Frage: 12 Monate haben die Landesvorsitzenden still gehalten. Nun melden sie sich erstmals gemeinsam zu Wort und äußern scharfe Kritik an der Führungsspitze von FN und DOKR. Wie werden Sie dieser Kritik (Machtmissbrauch beim DOKR, katastrophales Krisenmanagement seit Hongkong) Rechnung tragen?
- Breido Graf zu Rantzau: "Diese Frage enthält bereits in der Form eine Wertung, dass sich die Landesvorsitzenden, nämlich alle, mit Kritik geäußert hätten. Sie impliziert, dass es ein einheitliches Meinungsbild zum Umgang der FN und des DOKR mit den Geschehnissen seit Hongkong gegeben habe.
- Dies ist nicht richtig dargestellt. Fakt ist, dass es in Frankfurt kontroverse Diskussionen zum Thema Krisenmanagement gab. Es bestand kein einheitliches Meinungsbild. Am Ende gab es aber den gemeinsamen Auftrag, bestimmte Bereiche unseres Regelwerkes und unserer Führungsstruktur kritisch zu durchleuchten und gegebenenfalls zu überarbeiten."
Frage: Bei der FN-Mitgliederversammlung Anfang Mai war es Ihnen und DOKR-Geschäftsführer Wendt noch gelungen, die Unzufriedenheit an der Basis mit einer Ehrenerklärung im Keim zu ersticken und die Landesverbände auf Kurs zu bringen. Inzwischen fühlen sich die Landesfürsten weiterhin "schlecht informiert", "für dumm verkauft". "Wir erfahren Details aus Hong Kong eher aus der Presse als aus Warendorf". Wie lange wollen Sie die Landesverbände noch gegen sich aufbringen?
- Breido Graf zu Rantzau: "Auch dies ist nicht richtig dargestellt. Ich kann mich nur wiederholen: Es ist nicht die Kritik der Landesverbandsvorsitzenden, sondern es fühlen sich einige nicht ausreichend informiert. Bei der Mitgliederversammlung in Nürnberg wurden alle Anwesenden über die Vorkommnisse seit Hongkong umfangreich informiert. Dem DOKR-Geschäftsführer Reinhard Wendt und mir wurde das Vertrauen aller ausgesprochen und wir haben den Auftrag erhalten, den eingeschlagenen Weg zur kompromisslosen Sicherstellung fairen Leistungssports unbeirrt fortzusetzen. Die Delegierten der Mitgliederversammlung erklärten ihre volle Unterstützung hinsichtlich aller dazu erforderlichen Maßnahmen. Nach Nürnberg haben wir alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam mit einer breiten Basis getroffen und natürlich die zuständigen Gremien einbezogen. Generalsekretär Lauterbach berichtet darüber hinaus regelmäßig schriftlich über den Stand der Dinge."
Frage: Die Landesverbände kritisieren das Verhalten der Spitzensportler wie Ahlmann, Beerbaum und Kutscher. Die Hauptkritik geht dabei gegen das DOKR und seinen Geschäftsführer Reinhard Wendt, der diese Herren seit Jahren gewähren lasse. Die Landesverbände wollen da mehr Kontrolle und mehr Verantwortung übernehmen. Werden Sie das zulassen?
- Breido Graf zu Rantzau: "Diese Aussage ist falsch. Reinhard Wendt hat keineswegs die Aktiven gewähren lassen. Unser Vorgehen gegen Regelverstöße ist sicher das Härteste weltweit. Und die Vorgaben des DOKR an unsere Teammitglieder sind sehr klar formuliert, lassen Missverständnisse nicht zu. Zusätzlich arbeiten wir bereits seit Monaten an Strukturänderungen des DOKR. Selbstverständlich werden die Landesverbände in anstehende Grundsatzentscheidungen eingebunden. "
Frage: 12 Monate nach Hong Kong hat sich bei der FN wenig geändert. Selbst die Frage, welche Konsequenzen Reitern drohen, die ihre Behandlung wie neuerdings vorgeschrieben, dem Teamtierarzt nicht melden, bleibt bisher unbeantwortet. Die DOSB-Kommission entpuppt sich als reine PR-Maßnahme (FAZ). Der Glaube ihrer 750.000 Mitglieder daran, dass sich der Verband von innen heraus erneuern könnte, sinkt gegen Null. Wann machen Sie den Weg für neue Führungskräfte frei?
- Breido Graf zu Rantzau: "Auch diese Aussagen sind nicht korrekt. Nach Nürnberg wurden die Aktivenerklärungen modifiziert und Sanktionen bei Fehlverhalten eingearbeitet. Die DOSB-Kommission ist mit drei Experten besetzt, die sich mit den Geschehnissen seit Hongkong und mit der Einstellung von Reitern sowie Funktionären im Spitzensport befassen. Ich kann es absolut nicht nachvollziehen, dass die Arbeit der Kommission bereits bei Vorliegen von Zwischenergebnissen zerrissen und als PR-Maßnahme disqualifiziert wird. Hierbei handelte es sich lediglich um erste Empfehlungen, um unsere Kader wieder besetzen und die Reiter für die unmittelbar bevorstehenden Europameisterschaften benennen zu können. Der Abschlussbericht mit den entsprechenden Empfehlungen, beispielweise für Regelwerksänderungen und Sanktionierungen von Fehlverhalten, liegt uns erst im Herbst vor."
Frage: Zu Hong Kong und dem Geschehen im Stallbereich nach dem ersten Umlauf im Nationenpreis: Sie waren in Hongkong als Mit-Besitzer von Marius akkreditiert. Sind sie Mitbesitzer von Marius? Wenn nein, warum haben Sie sich als solcher eine Akkreditierung verschafft?
- Breido Graf zu Rantzau: "Bei Olympischen Spielen erhält jeder Fachverband nur eine bestimmte Anzahl an Akkreditierungen, hochgerechnet an der Zahl der Pferde. Eine extra Zugangsberechtigung für den Präsidenten gibt es nicht, so dass dieser über das vorgegebene Kontingent akkreditiert wird. So ist das im übrigen auch zum Beispiel bei unseren Physiotherapeuten oder dem Schmied. Für solche Akkreditierungen ist man dann auf die Besitzerakkreditierungen angewiesen. So müssen übrigens alle Nationen bei Olympia verfahren. Mit einem Eigentumsrecht eines Pferdes hat das nichts zu tun und ich bin auch nicht Mitbesitzer von Marius."
Frage: Sie haben sich nach dem ersten Umlauf im Nationenpreis im Stallbereich aufgehalten (Aussage Dr. Nolting). Was hat der Präsident der FN im Stall für eine Aufgabe?
- Breido Graf zu Rantzau: "Ich hatte in der Stallgasse keine Aufgabe. Man sollte jedoch wissen, dass der Stallbereich, der deutlich über die eigentlichen Stallungen hinausgeht, als Mannschaftstreffpunkt der Equipe dient. So konnte auch ich an der einen oder anderen Besprechung teilnehmen, was mir ohne diese Akkreditierung nicht möglich gewesen wäre."
Frage: Sie waren beim Schwächeanfall von Cornet Obolensky in der Nähe. Was haben Sie genau gesehen?
- Breido Graf zu Rantzau: "Ich habe nichts gesehen. Die Stallgasse erstreckte sich über eine Länge von 70 Metern und ich stand etwa 30 Meter von der Stallung des Pferdes entfernt. Als ich den Ruf nach dem Tierarzt hörte, habe ich außerhalb der Stallungen nach Dr. Nolting gesucht."
Frage: Sie kennen die Regeln bei Olympischen Spielen. Jede nicht angemeldete und genehmigte Behandlung ist verboten. Warum haben Sie geschwiegen und die illegale Behandlung nicht etwa dem Generalsekretär und Mitglied des FEI-Büros Dr. Haring gemeldet? Aus Angst vor Konsequenzen?
- Breido Graf zu Rantzau: "Von der eigentlichen Behandlung habe ich erst einige Tage später erfahren. Es gab keine justitiablen Erkenntnisse, um Licht ins Dunkel zu bringen und deshalb haben wir uns dazu entschieden, dies nicht öffentlich zu machen. Unsere Erkenntnisse haben wir bei der Mitgliederversammlung in Nürnberg mitgeteilt. Bis heute gibt es keine Klarheit zu den Vorkommnissen auf der Stallgasse und zum Fall Cornet Obolensky. Deshalb haben weder der Springausschuss noch die DOSB-Kommission gegen Marco Kutscher eine Sanktion ausgesprochen."
Frage: Wie wollen Funktionäre wie Sie, die wie im Fall Cornet Obolensky klarste Regelverstöße decken und damit ihre Kontrollfunktion aufgeben, Reiter dazu bewegen, sich an Regeln zu halten und ihre illegalen Praktiken in Zukunft zu unterlassen?
- Breido Graf zu Rantzau: "1. Ich habe keinen Regelverstoß gedeckt und keine Kontrollfunktion aufgegeben. Im Gegenteil: Wir haben uns um Aufklärung bemüht und uns hierfür Hilfe von außerhalb des Verbandes geholt. 2. Auf nationaler Ebene haben wir schon einiges umgesetzt, die Kontrollen verbessert und schärfere Sanktionen im Regelwerk auf den Weg gebracht. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den eingeleiteten Maßnahmen auf dem richtigen Weg sind, auch wenn wir noch längst nicht am Ziel angekommen sind. Der Abschlussbericht der DOSB-Kommission Reiten wird veröffentlicht. Diesen werden wir mit unseren Plänen abgleichen und einen Maßnahmenkatalog vorlegen."
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