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Fall Ahlmann: FN fährt schwere Artillerie gegen FEI-Urteil auf

Will der nationale Reiterverband ein Exempel statuieren? / Viel Unverständnis über FN-Handlung in Reiterkreisen / Kann die FN überhaupt in Berufung gehen?

Marl/Warendorf. „Christian sieht wieder Land“ – mit dieser Schlagzeile auf der Seite eins machte heute die Recklinghäuser Zeitung auf. Für die Fans von Christian Ahlmann eine gute Nachricht, die jedoch gestern Nachmittag mit einer Presseerklärung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ausgebremst wurde.

Dem Warendorfer Reiterverband ist das FEI-Urteil - Ahlmann wurde am Mittwoch dieser Woche wegen verbotener Medikation bei seinem Olympiapferd Cöster zu einer Sperre von vier Monaten verurteilt - nicht hart genug und wird dagegen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) einlegen. Weiter soll Ahlmann nach den Vorstellungen der FN in den nächsten zwei Jahren nicht mehr an Nationenpreisen sowie an Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen können.

Dass Ahlmann über diese Reaktion der FN geschockt war, ist nicht von der Hand zu weisen. Ahlmanns Vater Georg, ehemaliger erfolgreicher Springreiter, ist einmal mehr fassungslos, denkt er über diese Situation nach. Er habe, so laut Recklinghäuser Zeitung, mit 62 Jahren schon einige Stürme erlebt, aber die aktuelle Entwicklung nimmt ihn bis zum Äußersten mit.

Allerdings muss eine Frage erlaubt sein: Kann die FN gegen das FEI-Urteil überhaupt in Berufung gehen? Nach der Sachlage war es eine rechtliche Angelegenheit zwischen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) und dem Springreiter Christian Ahlmann. Sollte etwa die FN in geheimer Mission als Nebenkläger aufgetreten sein? Falls ja, dann war es ein geschickter Schachzug. Und wenn nein, dann wäre es doch denkbar, dass die sprichwörtlichen Pferde mit der Verbandsführung durchgegangen sind.

Ahlmann Anwalt, Andreas Kleefisch (Münster), wird in der morgigen Ausgabe der Recklinghäuser Zeitung zitiert, dass nur der Kläger und der Beklagte in die Berufung gehen können, die FN sei nichts davon; und wenn es so kommen sollte, muss die FN neue Beweise vorlegen.

FN kontra Ahlmann ist Gesprächsthema bei den German Classics

Beim derzeitigen internationalen Reit- und Springturnier German Classics in Hannover sind die Dopingproblematik im Reitsport und der scharfe FN-Ton beim Ahlmann-Urteil ein heißes Thema. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF haben den Reiterverband aufgefordert, nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen. Dass bei dieser „Aufforderung“ beim FN-Präsidium alle Zeichen auf Alarm stehen, ist schlicht und einfach nachvollziehbar.

Wie überall im Spitzensport gilt auch im Reitsport das Zauberwort Sponsoring, das wiederum von TV-Übertragungen abhängig ist. Die FN wird nun gedrängt, denn der aktuelle Vertrag mit dem Fernsehen beinhaltet eine Doping-Ausstiegsklausel. Und wie schnell so etwas vollzogen werden kann, hat der Radsport mit der Tour de France bitter erfahren müssen. Im nächsten Jahr gibt es keine Livesendung von ARD und ZDF.

Paul Schockemöhle, Europas größter Pferdehändler und –züchter sowie Mitveranstalter hochklassiger Reitturniere, spricht aus, was viele nur hinter vorgehaltener Hand denken: „Wenn wir das Doping-Problem nicht lösen können, ist der Reitsport tot.“

Viele Reiterkollegen aus der nationalen und internationalen Reitsportszene können sich nur noch über die harte Gangart der FN wundern.

Deutliche Worte eines Kaderreiters

Ein deutscher Kaderreiter, der aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben will, bringt die Problematik auf den Punkt: „Dass es soweit gekommen ist, haben sich FEI und FN doch selber zuzuschreiben. In keiner anderen Sportart wird in Doping unterschieden. Bei uns gibt es Doping und verbotene Medikation, diese auch noch unterteilt in den Klassen A und B. Wir haben im Fall Ahlmann, und auch bei den anderen aufgefallenen Reitern von Hongkong, gesehen, dass diese Definition eine reine Gratwanderung ist. Es ist jetzt müßig davon zu reden, ob Christian Ahlmann dieses Equi-Block aus rein therapeutischen Gründen angewandt hat oder nicht. Dieser momentane Graustufenzustand hilft uns auf Dauer nicht weiter. In zwei Jahren sind die Weltreiterspiele, bis dahin sollte der Komplex Doping expliziert überarbeitet werden. Viele Kollegen sind auch der Meinung, dass nur gesunde Pferde im Sport unterwegs sein sollen, das ist doch gar nicht so schwer. Die Kollegen in Warendorf machen bestimmt einen guten Job, doch man wird das Gefühl nicht los, dass es einigen nicht mehr um den Sport geht, sondern um reine Machtspielchen, die LPO wird immer komplizierter. Wenn einige Herren in der Gewinnung neuer Sponsoren so rege wären wie im derzeitigen Nachtreten bei Christian Ahlmann, würde unser Sport viel attraktiver dastehen. Was wäre wirklich, wenn sich das Fernsehen zurückziehen würde? Ganz einfach, keine TV-Sendezeiten gleich Rückgang von Sponsorengeldern. Einige hoch dotierte Turniere fallen weg, und vorbei ist es auch mit der immer wieder gerne gestellten Frage nach dem VIP-Bändchen für die FN-Repräsentanten, denn darin ist die FN gut aufgestellt. Vor allem die Sprüche von Haring und dem Grafen in und nach Hongkong – wir müssen eine harte Kante fahren usw. –, noch bevor die Untersuchungen abgeschlossen waren, sind aus meiner Sicht ein Grund, diese Herren aus dem Verband zu schmeißen. Besser wäre gemeinsames Handeln angesagt und kein Nachtreten wie bei Christian Ahlmann.“

Bekommt die ukrainische Springreiter-Equipe bald Zuwachs?

Darf man den Gerüchten glauben, sollen einige Springreiter mit internationalen Erfolgen ersten Kontakt mit dem ukrainischen Ölgiganten Alexander Onischenko haben. Dieses Szenario müsste doch in Warendorf bestens bekannt sein. Vor den Weltreiterspielen 2006 in Aachen geschehen. Katharina Offel und Björn Nagel folgten dem Ruf von Alexander Onischenko und wurden in der Ukraine „eingebürgert“. Die FN reagierte damals etwas verstimmt, Generalsekretär Dr. Hanfried Haring war ziemlich sauer: „Die Regeln müssen verschärft werden, sonst kommt bald auch noch ein polnischer Millionär und kauft sich in anderen Ländern eine Mannschaft zusammen. Der Heimatverband wird nicht gefragt, sondern bekommt vom internationalen Verband lediglich eine Mitteilung über den Wechsel.“ Sollten die aktuellen Gerüchte in die Tat umgesetzt werden, wird der deutsche Springsport auf Kreisklassenniveau degradiert.

Und wie wird im Hause Ahlmann an einen Wechsel nachgedacht, unter der Flagge der Ukraine zu reiten? Gegenüber der Recklinghäuser Zeitung meinte Georg Ahlmann: „Sicher haben wir uns mit diesem Thema schon beschäftigt. Konkret daran gedacht haben wir aber noch nicht.“

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18. Mai 2012

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