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Berg-und-Talfahrt im Fall Ahlmann
“Das ist schon deprimierend und zäh ...”
Dortmund/Marl. Zur Erinnerung: “Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand” - Diese oft zitierte Volksweisheit kann nicht treffender zur derzeitigen Situation Doping/verbotene Medikation in den Fällen Christian Ahlmann, Rodrigo Pessoa und Daniel Deußer (seine Sache hat nichts mit Olympia 2008 zu tun, sie liegt schon weiter zurück, hat aber gewissen Parallelen aufzuweisen) angewendet werden.
Zum Hintergrund: Ahlmann, der gegen die Suspendierung von Hongkong eine einstweilige Verfügung gegen die FEI beantragte, bleibt nach der heutigen Entscheidung des Landgerichts Dortmund weiter gesperrt. Dass beim Marler Berufsreiter Frust und Enttäuschung mit einer Berg-und-Talfahrt gleichzusetzen ist, braucht nicht sonderlich erwähnt werden: “Das ist schon deprimierend und zäh. Wenn man konkret wüsste, woran man ist, wäre mir wohler. Ich hoffe, die Entscheidung kommt bald”, gab er gegenüber den Ruhr-Nachrichten zu verstehen.
Rechtsbeistand Andreas Kleefisch (Münster) kommentierte den gerichtlichen Beschluss kurz und bündig: “Eine Aussetzung der Sperre wäre sicher nur für eine begrenzte Dauer gewesen. Ich gehe davon aus, dass wir im Hauptverfahren in den nächsten fünf, sechs Tagen eine Entscheidung erhalten.”
LG-Richterin Marlies Bons-Künsebeck sagte es klipp und klar: “Für uns gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass die vorläufige Sperre zu Unrecht ergangen ist.” In der weiteren Urteilsbegründung heißt es, dass das nachgewiesene Capsaicin bei den Olympischen Spielen eine schmerzlindernde Wirkung habe, dadurch die könnte die Leistungsfähigkeit der Tiere beeinflusst werden. So ist Capsaicin schon von der Definition her kein Pflegemittel. Weiter sei es unerheblich, dass Capsaicin frei zu kaufen sei.
Geprüft wurde seitens der 13. Zivilkammer nicht, ob auch Dopingverstöße vorlagen: “Das könne dahingestellt bleiben.” Ausreichend für ein vorläufiges Startverbot von Ahlmann ist die Einstufung von Capsaicin als Medikament der Klasse A. Laut der weiteren richterlichen Ausführung waren die Maßnahmen gerechtfertigt, um eine effektive Dopingbekämpfung zu gewährleisten. Außerdem müssten die Interessen der Konkurrenten und des Tierschutzes berücksichtigt werden. Die momentane dreimonatige Sperre ist laut Gericht noch verhältnismäßig.
Reiterkollege Rodrigo Pessoa (Brasilien) hatte mit seiner Klage mehr Glück. Vor einem Gericht in Rio de Janeiro erwirkte er eine Starterlaubnis beim Finale der Global Champions Tour (GCT), das am Wochenende in Sao Paulo statt findet. Pessoa wurde von der FEI mit einer Sperre von viereinhalb Monaten verurteilt wegen verbotener Medikation seines Olympiapferdes Rufus.
Bei Daniel Deußer liegt die Sachlage etwas anders, er klagte gegen eine Sperre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Zwar hatte der Warendorfer Reiterverband vor zwei Tagen vor dem Landgericht Münster zunächst einen Klageerfolg zu verzeichnen, der dann einen Tag später sozusagen wieder im einstweiligen Verfügungsverfahren gekippt wurde. Auch Deußer kann in Sao Paulo reiten. Die FN ließ gestern im hauseigenen Pressedienst verlauten, dass gegen die einstweilige Verfügung erneut der Rechtsweg beschritten wird. Böse Zungen behaupten, dass der FN-Justitiar Dr. Ettwig-Georg Wann derzeit arbeitsmäßig überlastet sei ...
Die Gretchenfrage in der Angelegenheit Ahlmann
Wie nun der Fall Ahlmann ausgehen wird, ist nach wie vor offen. Vermutlich wird das FEI-Gericht auf verbotene Medikation der Klasse A entscheiden – so wie in den Fällen Pessoa und Bernardo Alves, die gegenüber Ahlmann etwas mehr "Glück" haben. Bei ihnen wird der nationale Reiterband kein eigenes Verfahren anstreben. Anders die Warendorfer Reiterbehörde, deren Generalsekretär, Dr. Hanfried Haring, und Präsident, Breido Graf zu Rantzau, bereits Anfang September verlauten ließen: “Da werden wir eine klare Kante fahren” ... “Es soll alles richtig geradeaus und streng verfolgen werden, und alte Verdienste und Artenschutz gelten auch nicht.”
Mal die Kirche im Dorf lassen ...
Doping hin, verbotene Medikation her. Ein ganz anderer Bereich wird gar nicht angesprochen, nämlich das Privatleben der Familie Ahlmann, die nun mal komplett involviert ist. Marl ist keine Großstadt, sondern eine dörflich gehaltene Kleinstadt mit etwa 90.000 Einwohnern. Der Name Ahlmann ist also nicht unbekannt – derzeit schon gar nicht. Mit Vater Georg “Schorsch” wird er erfolgreich mit dem Trabrennsport in Verbindung gebracht, und Christian mit dem nationalen und internationalen Springsport, der immerhin schon mit 14 Jahren das Goldene Reiterabzeichen verliehen bekam, der in der Dortmunder Westfalenhalle als “Dreikäsehoch” der internationalen Springreiterelite die sprichwörtliche Butter vom Brot nahm, der als Ausnahmetalent der letzten Jahre gilt. Das alles soll nicht mehr zählen, sollte es nach der Vorstellung der FN gehen? Vielleicht wäre ein moderat geführtes Gespräch sinnvoller als die zunehmende Verhärtung der Situation.
Egal, wie die Sache vor dem FEI-Tribunal ausgeht. Christian Ahlmann wird daraus seine Lehren gezogen haben, bereits schon heute. Und irgendwann muss dieses dunkle Kapitel des deutschen Springsportes auch beendet sein, nachtreten ist einfach unfair. Soviel Größe sollte man auf der Führungsebene in Warendorf haben.
Um es mit dem Volksmund zu sagen: “Hinfallen ist nicht schlimm, man muss nur wieder aufstehen können “ ... “Oder wer im Warendorfer Glashaus sitzt ...”
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